Zeitreise

21.05.2012

Sobriety is like a condom – both interfere with my plan to die young.“ (James Bond)

Wer morgens Blue Curacao mit dem Abflussreiniger verwechselt und es erst nach der dritten Mische merkt, sollte hoffen, dass die Gäste festes Zahnfleisch haben. Denn das is Hamburg, du Arsch und hier wird jedes Wochenende versucht, sich eine Lobotomie zu ertrinken. Zumindest kommt es mir so vor, wenn ich meine Eindrücke z.B. vom Hafengeburtstag Revue passieren lasse. Und nächstes Wochenende ist Pfingsten, da hat man schon wieder einen Tag mehr zu feiern. Aber warum eigentlich? Erinnern wir uns an letztes Jahr, wo ich Pfingsten erklärte, in fremde Zungen und wieder zurück übersetzen liess und mit dem Ergebnis glücklich war. Nein, immer noch bin. Sehet!

„Pfings­ten ist, und wie wir alle er­in­nern uns an Cam In der 50. Tag nach Os­tern, der Hei­li­ge Geist auf die Jün­ger und sagte: Down in frem­den Spra­chen. Sie kön­nen zwar nicht vor­stel­len, viel an­ge­neh­mer Lage bei sich selbst und dicht­ges­ab­belt, des­sen Klei­dung Klum­pen viel ab­ge­ris­se­nen Hals, neh­men Sie die zwei­te Satz vegan Aus­le­gung des Jah­res als Chan­cen und über­set­zen sie über Goog­le den News­let­ter ge­schla­gen wer­den Dies­mal mit der Rück­kehr in an­de­ren Spra­chen und um­ge­kehrt. Dann la­chen sie laut an den Wo­chen­en­den Er­geb­nis und freu­en uns auf einen Platz so Schei­ße nicht mehr Unzen pro Jahr. Im theo­lo­gi­schen Sinn, der Weg we­ni­ger als wün­schens­wert, ehr­lich ge­sagt un­fair. Von der spa­ni­schen In­qui­si­ti­on Das Ziel der deut­schen land­wirt­schaft­li­chen Jah­res kam her­aus und ver­such­te, Er­näh­rung be­stra­fen, be­steht wenig Ge­fahr. Die Rü­cken- und wie­der über­set­zen Sie den News­let­ter in der IKT- Ele­ment ab­so­lu­te Jah­ren je nach Aus­le­gung für die Tat­sa­che, dass die ba­by­lo­ni­sche Ver­wir­rung der Spra­chen war kei­nes­wegs von der eli­mi­niert „Pfings­ten“. Vor allem, wenn die Türme in Ham­burg tan­zen ge­baut. Ya, ich weiß nur, was ich schrei­be. Zu­sam­men­fas­send gilt des­halb die be­rech­tig­te Sorge vie­ler Un­ken­ru­fen im Wort Ro­land Kai­ser: „Ich glau­be, es be­ginnt wie­der …“
Vielleicht sollte an dieser Stelle nachgeschoben werden, dass es im Hafenklang weder Getränke mit Blue Curacao noch mit WC-Ente gibt. Aber es existieren ja noch ein paar andere Kneipen an der Elbe.
Weltbester Veranstaltungstipp ausserhalb des Hafenklangs: Am 26.5. von 12-17.30 kann man zugucken, wie andere Leute 55,- bezahlt haben, um an einer Veranstaltung namens „Die Kraft der Bäume“ teilzunehmen und „Informationen“, die die Bäume „von den Sternen an die Erde weiter geben“ empfangen. Leider bin ich nicht da. Die bongotrommelfreien Termine der Woche im Hafenklang:

Langeweile (1999?)

Menschen kann man in zwei Gruppen einteilen: die einen haben nie Zeit und die anderen tun so, als ob. Rentner und Arbeitslose sind immer auf Trab und ständig unterwegs zu irgendwelchen Ämtern, Ärzten oder sonstwo. Außerdem müssen sie wichtige Fernsehsendungen verfolgen und die Binnennachfrage durch massive Ankäufe von Alkohol (eher bei Arbeitslosen) bzw. Rheumadecken (eher bei Rentnern) stärken.
Im Vergleich zum Ladenschlußgesetz ist der Zeitplan bei Rentnern etwas verschobenen. Wenn sie um 5.30 aufstehen, hat noch kein Laden offen und ab 11.00 Uhr laufen Talkshows und „Soaps“ à la „Verbotene Liebe“. Verbunden mit Arztterminen, Nachmittagsratz und einer durch das altersbedingte Schritttempo legereren Zeitplanung bleibt für Langeweile kaum Platz. Außerdem muß man ja noch die vom Kind aufgedrückten Enkel versorgen. Und um 21.00 geht´s dann in´s Bett.
Bei Arbeitslosen ist es im Grunde ähnlich: 13 Uhr aufstehen, fernsehen, die Blagen zu Oma schicken (bei Euch vielleicht noch optional – kommt aber früh genug), Bier holen/trinken, essen. Dann haben die Geschäfte schon wieder zu und zum Amt kommt man auch nie, denn immer wenn man gerade will, haben die Pause oder es ist Wochenende. So kann die Zeit recht schnell vergehen.
Rentner und Arbeitslose stellen demnach die Personengruppe, die wirklich nie genügend Zeit für ihr Tagwerk hat. Deshalb langweilen sie sich auch nie und können aufhören, den Text zu lesen.

So bleibt als Gruppe der (sich) langweilenden Menschen nur die sogenannte arbeitende Bevölkerung. Innerhalb der Leserschaft gibt es bestimmt auch Leute, die einen Job haben. Der findet entweder drinnen statt, oder eben nicht. Hier geht es um die Leute, die einen dieser Bürojobs haben und sich dort langweilen. Früher war alles besser. Da waren Lösungsmittel noch erlaubt und man hat auch viel mehr Papiere geklebt, gemarkert und was weiß ich sonst so. Heute wird alles am Computer gemacht und wenn man nicht auf Ozondämpfe steht, ist es Asche mit dem diskreten Rausch am Arbeitsplatz. (Das ist nebenbei der wahre Grund, warum alle in Werbeagenturen und Grafikfirmen wollen – da gibt’s noch ordentlichen Sprühkleber!)
Wenn es den Löse-Rausch aber nicht mehr gibt, muß der Arbeiter der Stirn sich anders zu helfen wissen. Und weil er das nicht tut, springe ich mal wieder rettend zur Hilfe: das Lösungsmittel (he,he) heißt
Live-Rollenspiele im Büro!
Natürlich nicht, was ihr sexistischen kleinen Schweinchen wieder denkt- obwohl meinetwegen auch das; ich meine aber was anderes.
Entgegen aller Annahmen steckt nämlich in den Bürostuten und –Hengsten jeweils ein kleiner Abenteurer, den es zu wecken gilt. Falls die Mittagspause einfach nicht näher kommen will, solltet ihr ein solches Spiel organisieren.
Zuerst wird ein packendes „Script“ entwickelt und die Belegschaft in Gruppen eingeteilt. Thema eines Spieles könnte zum Beispiel „Die Errettung des riesigen Goldschatzes aus den Klauen der wilden Wilden“ sein. Ihr könnt aber auch geschichtliche Ereignisse nachstellen: u.U. „Gefangenenbefreiung in Stammheim/Mogadischu“(je nach politischer Gesinnung des Büros); launige Ritterkämpfe oder eine Improvisation des Liedes „Theo, wir fahren nach Lodz“ (und werden an der Grenze nicht durchgelassen..) sind gleichfalls möglich.
Anschließend werden unter großem Hallo die Requisiten gebastelt: Kettenhemden aus Büroklammern, hautenge Rüstungen aus Tesafilm, Schilde aus Keyboards und Laptops. Die Maus dient als Morgenstern, Blutersatz kommt aus dem Farbdrucker. Ebenso entstehen Schwerter und Äxte aus Pappe, mehrfach geklebtem Papier oder Linealen. Hüte und Helme kann man falten oder Kaffefilter nehmen.
Bei Spielen in der Gegenwart sind dann Gummiband/ Pflasterbälle Handgranaten und wer ganz verwegen ist, nimmt den Tacker als automatische Pistole.
Wenn nun noch alle Tische umgeworfen werden und ein Topfpflanzendschungel (5 Vokale bei 21 Buchstaben!) angelegt wird, möchte man doch am liebsten gar nicht mehr nach Hause gehen!

Anmerkung: Die Tips im Text richten sich an Büromenschen.
Schüler und Studenten nölen zwar immer rum, Schule/Uni seien stinkepups-langweilig, jedoch sollte solcher Unsinn stets mit einem Kniestoß zum Unterbauch beantwortet werden. Die sind schließlich ebenfalls praktisch arbeitslos…

Gründe, Misanthrop zu werden: Scherzbolde (1998?)

Ähnlich penetrant wie die affektierten Nörgler sind die Kleingeister, die glauben, Witze und scherzhafte Bemerkungen (noch schlimmer: launige Redensarten) würden durch unreflektiertes Wiederholen lustiger. Ganz grausam war das, was aus Trapatonis unfreiwillig komischem Gepöbel gemacht wurde. Allerortens tönte es „Struunz“, von T-Shirts prallte einem ein „Flasche leer“ entgegen, und jeder Vollidiot, der glaubte, auch mal geistreich sein zu können, rief im Stundentakt „Ich habe fertig!“. (Ich bin mir noch nicht sicher, ob mir Manta- und Blondinenwitze samt des dem gleichen Milieu entsprungenen „… und tschüs“ , oder eben der „ich habe fertig“Komplex mehr auf den Keks ging.)
Das Problem hierbei ist, daß der Witz dieser Bemerkung eher darin lag, wie eine Person in aller Öffentlichkeit nahezu völlig die Kontrolle verlor und sich blamierte. Harald Schmidt, der sich als erster darüber ausließ, war dies bewußt und er ritt so lange auf einzelnen Formulierungen herum, bis sie vollends ins Lächerliche gezogen waren.
Andere Scherzbolde haben das Gefühl, schon der Satz „ich habe fertig“ sei unglaublich witzig (manche Leute besitzen noch den Anspruch zu denken, das sei eine ironische Anspielung). Stimmt leider nicht. Isoliert betrachtet ist der Satz genauso dumm wie das Imitieren jugendlicher Dumpfnasen, deren Wortschatz zu 85% aus Floskeln und Begriffen wie „kraß, korrekt, aller, dicker …“ bzw. „das Schaf ist gezuckert.“ besteht. Natürlich kann man sich über die Begrenztheit der Leute und ihrer Sprache lustig machen, wenn sich die Kritik jedoch stets auf die gleichen Vorkommnissse bezieht und selbst in Floskeln verfällt, ist sie als gleichsam beschränkt abzulegen. Auf die Art paßt man sich nur an – die einen benutzen z.B. das Wort „kraß“, weil sie glauben, es sei cool (um auch ein Jargonwort zu benutzen und die eigene Kritik erfolgreich zu untergraben), die anderen, weil sie glauben, es sei lustig, darüber zu lachen. Beides ist affektierte Scheiße. Außerdem ist zu überlegen, ob das ritualisierte Nachahmen des Klischee-Akzents von ausländischen Prolls ohne eine Reflexion der Tat nicht schnell auf rassistische Abwertung zusammenschrumpft. Denn wenn die einzige Begründung, warum man in dieser Weise spricht, die ist, daß man es witzig findet, wie die nicht richtig sprechen können, dann wird doch stark verkürzt und der Schritt zur Verallgemeinerung ist nicht mehr weit. Aber das klingt jetzt sehr moralisierend und stimmt ja gar nicht und wird euch nicht gerecht, denn ihr seid ja alle links oder zumindest unpolitisch und habt nichts gegen Ausländer, ihr eßt schließlich gerne Döner und unterhaltet euch mit eurem Gemüsehändler. Außerdem rege ich mich auch immer auf und überhaupt bin ich jetzt mal lieber ruhig und so weiter und tralala

Es hat nicht, sondern ist fertig: WALDEMAR SCHMITT

Anmerkung 2010: Teile dieses Textes können sich auch auf den Umgang mit Musik beziehen. „Kultig“ und „Hymne“ seien nur als Assoziationen eingestreut.

Gründe, Misanthrop zu werden: andere Nörgler (ca.1999)

Ich habe schon gegen einige Ärgernisse des täglichen Lebens gepöbelt. Das Dumme daran ist nur, daß man mit Polemiken seiner Zeit entweder voraus ist und so komplett mißverstanden wird oder die allgemeine Zustimmung der Leserschaft erhält. Letzteres streichelt das Ego, zeigt aber, daß man nur ein weiteres Klischee bedient hat. Gegen manche Erscheinungen zu pöbeln, wird nach einer gewissen Zeit zum Selbstgänger und entbehrt damit des eigentlichen Sinns, macht es manchmal durch „Übersättigung“ sogar noch schlimmer. Nach einer gewissen Zeit kann man das affektierte Aufregen vom echtem Kritikpunkt nicht mehr trennen, man vergißt über dem unreflektierten Gepöbel den eigenen Ärger und beginnt oft, aus Trotz gegen die dumme Art des Reproduzierens fremder Meinungen, die solche Leute als eigene Kritik betrachten, den Gegenstand des Gesprächs liebzugewinnen.
Mir geht es so mit Mobiltelefonen, im bundesdeutschen Raum weltmännisch Handy genannt. Ich kann für mich keinen Nutzen darin erkennen, „überall“ erreichbar zu sein, weil mich schon zu Hause keiner anruft, aber Leute mit einem Freundeskreis, der die Kosten nicht scheut, jemanden auf einem solchen Apparat anzurufen, sollen den Spaß gerne haben. Außerdem kann es manchmal wirklich ganz praktisch sein, wenn alle Telefonzellen in der Umgebung mal wieder erfolgreich befreit wurden. Wie gesagt, ich brauch´s nicht, aber wer meint, er könne nicht ohne… Natürlich gibt es immer wieder seltsame Erscheinungen, wie Handytaschen am Gürtel oder Leute, die minutenlang auf ihr Display nach den eingespeicherten Nummern glotzen, aber da ist nun weniger das Telefon, als vielmehr die Beschränktheit des Besitzers zu erwähnen, der sein Telefon noch immer als Statussymbol statt als Gebrauchsgegenstand ansieht. Ich rege mich ja auch nicht über alle Autos auf, nur weil irgendein Trümpel seine Karre bis zur Unkenntlichkeit aufmotzt und alle zwei Minuten putzt. Vielmehr als Handtelefone nervt die „Kritik“ daran. Witzige Leute sprechen seit Jahren statt von Mobil- von Debilfunk und halten den Scherz noch immer für der Weisheit letzten Schluß. Auf die von Trottelgruppe 1 internalisierte Begründung, sie bräuchten ihr Handy um „immer und überall erreichbar“ zu sein antwortet Trottelgruppe 2 „Nur Dienstboten sind immer erreichbar.“ Gruppe 1 ist entweder beleidigt oder tut Gruppe 2 als unwissende Neider ab, anschließend tauscht man vielleicht noch ein, zwei andere Sprüche wie „ach, stimmt doch gar nicht“ und dann glaubt man, seine Meinung erfolgreich vertreten zu haben. Manchmal merken beide Trottel, daß man das nicht Diskussion bezeichnen kann, zumal keine Argumente auftauchten. Dieses Gefühl wird dann aber mit einem „mit solchen Leuten kann man sowieso nicht diskutieren.“ erfolgreich zum Schweigen gebracht. Den Gipfel der Nervtöter stellen die Leute dar, die jedes Telefonklingeln in öffentlichen Verkehrsmitteln mit Geräuschen kommentieren, die in jedem Fall lauter als das Läuten sind. Anschließend bestätigen sie sich gegenseitig lautstark, daß „so was“ eine Frechheit sondergleichen sei, und das es verboten gehöre, der Besitzer verprügelt und unter Adolf und so weiter und so fort. Besonders gut ist die Bemerkung, man könne das Ding in Bus und Bahn ruhig ausstellen – das widerspräche dem Anspruch der universellen Erreichbarkeit und bei den anfallenden Gebühren wird der Besitzer den Teufel tun, es nicht überall, wo er kann zu benutzen. Sonst könnte man es gleich im Laden lassen. „Eben“, sagen bestimmt auch viele Leser, aber ich wüßte nicht warum. Schlimm ist es doch nur, wenn die Angerufenen plötzlich so laut werden, als müßten sie die Distanz zum Partner ohne Telefon überbrücken und man an den Belanglosigkeiten des jeweiligen Lebens („Hallo, wo bist du denn? Ja, ich bin grad in der Bahn. In 10 minuten bin ich da. Setz schon mal Essen auf.“ usw.) teilnehmen muß. Das passiert aber selten genug, außer die Handy“feinde“ gröhlen so laut, das der Anrufer – wie alle anderen Fahrgäste – sein eigenes Wort nicht mehr versteht.
Bevor ihr das nächste Mal wie der vielzitierte Pawlow´sche Köter beim Ertönen einer Bimmel in lautes Stöhnen (auf Sabbern seit ihr hoffentlich nicht konditioniert) ausbrecht, überlegt doch mal, ob ihr eurer Umwelt nicht anders auf den Keks gehen könnt.
Ich verstehe den Text nicht als ein Plädoyer für den Kauf eines Mobiltelefons. unterlaßt es bitte, nach der lektürebedingten Erkenntnis(..), nicht der Gegenstand, sondern der Umgang mit ihm ist beknackt, wie viele Progressivspiesser ein Telefon mit Gürteltasche zu kaufen – es sieht einfach scheiße aus. Besorgt euch lieber ne Telefonkarte

Am Textschluß nichts Neues: WALDEMAR SCHMITT

Kleine Anmerkung 2010: Inzwischen hab ich seit gut 10 Jahren ein Handy und bin sehr zufrieden. Ich rufe auch gerne aus öffentlichen Verkehrsmitteln meine Eltern an, falls ich zu spät zum verabredeten Essen komme. Suspekt ist mir, mit dem Handy ins Internet zu gehen, weil das ja nun wirklich Quatsch ist…

Von der Schwierigkeit, über Heimtrainer zu schreiben (ca. 1998)

Kaum etwas ist schwieriger, als einen Artikel über Heimtrainer zu schreiben. Was soll man zu den Dingern auch großartig sagen? Im Fernsehen sehen die immer ganz toll aus, besonders, wenn Chuck Norris seine Lieblingsübungen vorführt und dieser andere dickärschige Ami mit der Vokuhila sein neues Bauchmuskelteil feilbietet. Oder das Gerät, was so ähnlich wie Skilanglauf sein soll nur noch beknackter aussieht. Ich glaube, der einzige Grund, warum ich mir so einen Apparat kaufen würde, wäre die beiliegende Videocassette mit Übungsanweisungen. Das ist sowieso eine Sparte der Filmindustrie, die neben Fuchtelfilmen viel zuwenig Beachtung in Videotheken findet. Genauso wie in den Volkshochschulen keine Kurse wie „Schimpfworte und Vulgarismen im täglichen Leben“ stattfinden, sondern immer nur Schweinkram wie Seidenmalerei. Auf die Volkshochschule bin ich gekommen, weil die wie mein Videosystem auch VHS heißt, obwohl ich lieber Beta hätte, weil die Cassetten lustiger aussehen. DVD oder Laserdiscs hingegen mag ich nicht, weil ich nicht so richtig weiß, was das soll, außerdem finde ich, daß nur Schallplatten wie Schallplatten aussehen dürfen. Ursprünglich wollte ich über Heimtrainer reden. Ich zum Beispiel habe so ein Fahrrad ohne Räder. Das hab ich so hingestellt, daß ich beim Fahren sowohl die Außenwelt, als auch meinen Hamster beobachten kann. Dann kann ich nämlich mit ihm um die Wette fahren, allerdings wäre das ein Scheißrennnen, denn wir kommen ja beide nicht vorwärts. Heimtrainer. Mein Fahrrad, das keines ist, macht bei regelmäßigem Gebrauch einen flachen Bauch und Jannullrichmäßige Oberschenkel. Oder umgekehrt. Ich benutz das aber nur noch als Kleiderständer. Deshalb schreibe ich jetzt lieber über ordinäre Worte. Die sind interessanter als Heimtrainer und finden öfter Verwendung. Toll als Ausdruck der inneren Verbundenheit ist die Bezeichnung „billiges Fickflittchen“. Erstmal sind viele „I“s (Neudeutsch I´s, wobei den Apostroph zwar keiner versteht, aber jeder hemmungslos verwendet) drin, und wenn man es 4 Mal schnell hintereinander zu sagen versucht, kann man sich lustig verhaspeln. Jemanden zu bitten, 4 mal billiges Fickflittchen zu sagen, ist auch nicht so pubertär wie „Der Whiskymixer mixt Whisky im Whiskymixer“ (oder ähnliches, wo dann irgendwann jemand z.B. schreit „HA! Du hast wichst gesagt!“ und sich hysterisch lachend einnäßt). Viermal billiges Fickflittchen zu sagen ist eine echte Herausforderung, denn man kann sich sicher sein, durch einen Versprecher nicht Zielscheibe infantilen Humors zu werden – eher im Gegenteil. Wem der Ausdruck nicht gefällt, weil es ihm zu peinlich ist, Worte mit so viel I in den Mund zu nehmen, dem gefallen bestimmt solche Kraftausdrücke wie „Gottverdammte Scheiße“. Ich bin aber der Meinung, daß diese Worte nicht sehr kräftig drücken. Als alter Möchtegern-Agnostiker, der nur wegen des Geldes zum Konfirmationsunterricht (lässig „Konfer“ genannt) gerannt ist, sollte man das Gott schon mal weglassen, als gläubiger Christ oder Anhängiger anderer Religionen darf man es eh nicht sagen bzw. es gibt einem nix (Muslime rufen ja auch nicht „Buddha, verdamm mich“). Und das Wort scheiße beeindruckt gar niemand mehr, will sagen, es lockt nicht einmal den sprichwörtlichen Hund hinter dem am gleichen Ort angesiedelten Ofen hervor, außer der Köter heißt so, was es bestimmt auch gibt.
Aus diesem Grund ersetzen wir Scheiße durch Hundehaufen, ein Begriff, der noch nicht so inflationär entwertet wurde und bei dem jedem Träger von Schuhen mit Profilsohle die schlimmsten Assoziationen zufliegen. Von barfüßigen Menschen ganz zu schweigen. Ein besserer Kraftausdruck als „Gottverdammte Scheiße“ ist also „Verdammter Hundehaufen“. Das großartige daran ist, daß man den Ausdruck in mehrere kleinere zerlegen kann, die nach außen hin unscheinbar wirken, einem selbst dank Hintergrundwissen aber gut helfen können. Wenn man zum Beispiel bei Oma zu Besuch ist und Omas Wohnzimmerlampe so über dem Sofa hängt, daß jeder über 1,50 m beim Aufstehen mit dem Haupte drinhängt, reicht oft schon ein laut gerufenes „Verd..“ und alles ist wieder rosig. So kann aus „Verdammter Hundehaufen“ der unverfängliche Satz „Pferd am Tee! Runde Haufen!!“ werden, der zwar auf Außenstehende wenig Sinn macht, aber geheimnisvoll und tierlieb wirkt. Weniger tierlieb aber nicht minder geheimnisvoll sind kryptische Schimpfworte wie Speisekammer. Mit genügend Pathos vorgetragen haben Ottoversand, Fototapete oder sogar Fransenlederjacke einen ähnlichen Effekt. Der Beschimpfer kann dem zu beschimpfenden seinen gesamten Haß entgegenschleudern, und der alte Eiernacken kann einen nicht belangen, ohne sich selbst lächerlich zu machen (Wird man gehauen und geht wie jede besonnene Petze zwecks Anzeige zur Bullerei, kann man immer sagen, man wurde grundlos angegriffen. Denn wenn der andere den Schergen heulend erzählt: “ Der hat Fototapete zu mir gesagt..“, werden die wahrscheinlich selbst mal seine Zurechnungsfähigkeit prüfen, wobei sie die Blutprobe wohl mit dem Knüppel entnehmen.)
So richtig gute Dienste in Bezug auf ordinäre Sprüche leistet aber nur der Bereich Ausscheidungsorgane samt ihrer Produkte. Hier erfreut sich vor allem der weibliche Körper großer Beliebtheit und man muß sich wundern, mit welcher Kreativität auch die geistig flachbrüstigen zu Werke gehen (für einen kurzen Lehrgang reicht es, bei einem beliebigen Fußballspiel die Ohren offenzuhalten). Flachbrüstig wäre z.B. ein Wort, seine Abscheu kundzutun – dickbrüstig (oder als i-stärkeres Wort dicktittig) als Zuneigungsbeweis habe ich allerdings noch nicht gehört. Aber Bruststück. Ein schallendes „Peter, du altes Bruststück!“ läßt Peter doch gleich selbiges ganz warm werden vor Freude. Auch gut geeignet, die eigene Begeisterung zu demonstrieren und Umstehende zu schockieren sind die beiden Sätze „Ich bin schon ganz feucht unterm Arm.“ bzw. „Ich spritz ab.“, die von Vertretern jeglichen Geschlechts hemmungslos benutzt werden sollten. „Ich spritz ab“ fand sogar schon seinen Weg in die BRAVO unter der Rubrik Szene-Sprüche. Ein Gedanke, der mir gut gefällt. Man stelle sich die 11jährige Tochter vor, die von Omi ein BRAVO-Abo geschenkt bekommt und zum Ausdruck der Freude eben diesen Spruch in die Runde wirft. Bravo, BRAVO. „Bravo, BRAVO ist genauso bescheuert wie „Toll, Zoll“; was die BILD neulich ins Rennen brachte. Dreckige Arschlöcher, stinkende (s.o.). Ebenfalls ein Satz, der eigentlich in jedem Bewerbungsgespräch mindestens einmal fallen sollte. „Ora et labora“ ist wohl das passende Zitat dazu. Der liebe Waldemar macht zwar gerade weder das eine, noch das andere – aber immerhin kann ich jetzt mal meine Unterhemden und Jogginghosen auftragen. Oder – und mit diesem großartigen Zirkelschluß endet der Artikel – ein wenig auf meinem Heimtrainer herumstrampeln.

Gründe, Misanthrop zu werden: Autoaufkleber

Viele Charakterkrüppel haben das Bedürfnis, ständig mit ihrer Umwelt in Kontakt treten zu müssen. Das permanente Aufnötigen der als eigen angesehenen Meinung tritt im Alltag vor allem in drei großen Gruppen auf.
T-shirts mit „lustigem“ Spruch
Button/Aufnäher mit ähnlichem Inhalt
Autoaufkleber
Am schlimmsten ist es, wenn alles drei gleichzeitig auftritt. Z.B. beim Klischee-Autoproll mit „Sumsen ist buper“ Leibchen und einer Jeansweste mit lauter 80er Jahre Metal-Aufnähern. Alternativ auch Punks mit „Schieß doch Bulle“ Shirt und Troopers, VKJ o.ä. auf der Jacke. Den Terror oder I Herz Violence Aufkleber kann man bei beiden an der Karre finden. Womit ich es in Rekordzeit geschafft habe, zum Thema zu finden. Zum ersten Mal seit langem habe ich mich gewundert, als ich den Spruch Ich will Titten am Lack eines Golfs gesehen habe. Der Spruch ist eigentlich gar nicht so schlecht, entlarvt er doch die TUI-Reklame (Ich will Kühe), die Macher des Aufklebers und natürlich den Fahrer des jeweiligen Autos als komplette Trottel.
Ähnlich beschruppt ist die Abwandlung des Ich bremse auch für Tiere Spruchs. Da hätten wir einmal die dumpf- Version Ich bremse auch für Frauen und die pfiffig gemeinte, allerdings genauso plumpe Retourkutsche Ich bremse auch für Männer. Nicht zu vergessen die Version für ganz harte Zeitgenossen Ich bremse nie, die eine glatte Lüge darstellt.
Je nach gesellschaftlicher Stellung des Fahrers lassen sich unterschiedliche Vorlieben feststellen. Gläubige Familienväter der oberen Mittelklasse greifen gerne zu diesem christlichen Fisch, der so aussieht wie das Nordseelogo. Ihre unkonventionellen Söhne besorgen sich – shocking! – einen Fisch, aus dem ein Stück rausgebissen wurde. Daneben klebt dann die Syltkuh und ein Logo einer Surffirma. Den Korsenkopf sieht man immer seltener, wohingegen Ying und Yang sich immer noch großer Beliebtheit erfreuen. Fernöstlich-geheimnisvoll kommt eben immer gut.
In den Gehaltsgruppen darunter sind Meisterjäger und „D“ Schilder sehr willkommen. In jeder Hinsicht groß sind die Logos von Hifi und Tuningfirmen, die sogar Schilder wie SEX ZYLINDER (mit 6 rammelnden Hasen) verdrängt haben. Vielleicht waren die aber auch nicht aerodynamisch genug…
Im Bereich von unkonventionellem Tuning ganz weit vorne liegen natürlich die Fernfahrer (Kings of the road). Die verbringen viel Zeit im Auto und wollen es daher etwas persönlicher gestalten. Außerdem haben sie die größte Klebefläche von allen. So kann man sich bei Fahrzeugen mit Überlänge an Hintersinnigem à la „Vorsicht, meine Damen! Meiner ist 18 m lang!“ erfreuen. (Dazu existiert natürlich das passende Shirt „Von 0 auf 30 cm in 5 Sek“, das jeglichen Kommentars enbehrt.) Ferner besitzen Brummifahrer Leuchtdioden und Wimpel bzw. Kennzeichen mit Namen wie Volker, Klaus oder Bernhard. Ob das ihre eigenen Namen sind, ein geheimer Code oder nur Verzweiflung, weil Marcel immer ausverkauft ist, vermag ich nicht zu sagen.
Ein Meisterstück ist der BILD-Klassiker „Autobahngebühr? Ich hup euch was!“, der breiten Konsens in allen Bevölkerungsteilen hervorrief. Den konsequenteren Mein Auto fährt auch ohne Wald wünschen sich zwar einige Ökos zum dagegenpöbeln auf den Lack, aber der wird höchstens in Zonendörfern verklebt. Da gibt es dann genug andere Kritikpunkte.

Ich könnte noch seitenlang weiter Beispiele anführen, aber ihr seht das Elend selber jeden Tag im Straßenverkehr. Wie schön ist es dann, sich ins eigene Auto zu setzen, wo nur wirklich lustige Sachen (Testwagen! Bitte nicht waschen.; Mindestens haltbar bis: siehe Bodenblech; oder worüber Ihr so lacht) an der Außenwand kleben…
WALDEMAR SCHMITT

Wasn das?! Gartenzwerg background

Gartenzwerg ist nicht nur der Name dieses Blogs, sondern stand auch für mein allerliebstes Egozine aus Hamburg. Es erschien jahrelang und in zahlreichen Ausgaben Ende der 1990er Jahre. Die meisten Sachen stammen von mir, einiges hat auch mein damaliger bester Freund Christina Steinhöfel beigetragen. Im Gegensatz zu den anderen Heften damals haben wir für die Ewigkeit geschrieben, daher sind die Texte auch nach über 10 Jahren noch lehrreich und wegweisend auf dem Weg in eine bessere Gesellschaft. Nach und nach werden die Texte nun ordnungsfrei ins Netz gestellt, denn das vergißt nix. Hoffen wir das mal. Und weil alles nix kostet, dürfte die Verbreitung breiter sein als damals, als ich noch Stunden bei Kaufhof am Kopierer verbringen mußte und die Auflage darum gering hielt. Dazu aber wann anders mehr…