Archiv der Kategorie 'Wochenblatt'

05.12.2012

Der Kaplan faltet Poster“ (Zungenbrecher für Antriebsarme)

Das tolle am Dezember ist, dass einem der Einstieg in die beschissenste aller Jahreszeiten relativ leicht gemacht wird. Der Quatsch mit den Weihnachtsliedern wird jedes Jahr weniger, wenn man nur immer eigene Kopfhörer trägt und von allen Seiten wird man mit Süssigkeiten oder billigem Fusel beschmissen. Wer übrigens keinen Glühwein mag, klebt rote Folie um sein Glas und trinkt normale Sachen. Den Lesenden die Idee des „platten Johnnies“ nahelegen zu wollen, hieße die sprichwörtlichen Eulen nach Griechenland zu schicken. Und dann sind da noch Geschenke! Mit nem Adventskalender gibt’s 24 mal eine kleine Enttäuschung, dazu noch 1x Scheiße im Schuh, Stress unterm nicht vorhandenen Baum und danach kann man auch schon Böller kaufen. So geht der Monat schnell rum, muss er aber nicht. Prima ist es, einen Wunschzettel zu schreiben, damit man seine Ziele, Wünsche und Träume für sich und andere nicht vergisst. Jedoch solltet ihr aufpassen, dass das Ding nicht zu sehr nach Manifest oder Todesliste aussieht. Großes Hallo im kleinen Büro besorgen Punkte wie „Mausi: Ear-Plugs und Nippeltränke (gitterlos, mit Dichtungsring)“, die euch sexuell spannend erscheinen lassen und nicht wie jemanden, der wegen seines nervenden Meerschweinchens nicht schlafen kann.
Bessere Abendgestaltung mit und ohne Ohrstöpsel kann man hier finden:

28.11.2012

Was ist rot und schlecht für die Zähne? Backstein.“ (Aus der Ernährungsberatung von Dr. Best)

Zack! Advent! Zumindest fast. Zeit der Besinnlichkeit, Zeit in sich zu gehen und über verschiedenes nachzudenken. Und damit für alle der Grund, sich möglichst schnell sämtliche Selbsterkenntnis wieder aus dem schamroten Kopf zu spülen. Eine der besten Fragen ist „Tja, was soll das alles noch? Am 21.12. ist doch eh alles vorbei!“ Da greifen nämlich die sogenannten Unisextarife bei irgendwelchen Versicherungen, die sich ohnehin keiner mehr leisten kann. Und dann diese Sache mit dem Ende des Mayakalenders …alles Dinge, über die schon mehr als genug geredet wurde. Ähnliche Geschichte: der ewige Schokoladenkreislauf, über den ich mich ebenfalls bereits mehrfach ausliess (saisonale Aufhänger nennt man das in manchen, seeehr kleinen Lesezirkeln). Spannende Erweiterung dieses Jahr: Mineralöl im Adventskalender! Großes Thema, leider mäßig motivierend – daher stelle man sich hierzu nun launige Ausführungen à la „Macht das Umschmelzen leichter“ oder „Dann issja billiger mit Schokolade zu tanken“ oder „mir egal, ich hab nen Hartwurstkalender“ vor, die ich nicht weiter auswalzen möchte. Realität ist der Grund warum wir saufen. Bevor wir aber nun alle ganz schrecklich traurig werden: In der dunklen Jahreszeit werden auch bedingt tageslichttaugliche Freunde ganztägig ertragbar! Ihr könnt also schon mal Pfand zurückbringen, vielleicht fragt euch ja diese Woche jemand, ob ihr zusammen was machen möchtet. Die schmeichelhaft ausgeleuchteten Termine im Hafenklang:

22.11.2012

Gib dem Affen Zwiebel“ (Zahnfreundlicher Junkie-Tipp)

Diese Woche ist der Newsletter später dran als ihr bei der Mannschaftswahl im Schulsport. Grund ist selbstverständlich die Mitte November begonnene sogenannte soundsovielte Jahreszeit, verursacht durch das internationale Jeckentum. Mein geistiges Funkenmariechen aus dem letzten Jahr war abgenutzt und musste erst wieder mit mehreren Litern des guten Tetrapackweins (Verschnitt von mehreren Weinen aus der EU – praktizierter Internationalismus!) auf die nötige Flexibilität zum Niveaullimbo gespült werden. Jetzt schwingt es wieder die dicken Schenkel, dass es eine Freude ist. Die anderen Tage gingen dafür drauf, Essen zu bestellen und den Boten über die Gegensprechanlage ein „wolle mer se reinlasse?“ mit anschliessendem Tusch entgegen zu donnern. Natürlich macht man solche Aktionen nicht zuhause, sondern aus der Wohnung des Nachbarn, man will ja nicht irgendwann mal verhungern. Die nachbarliche Wohnung ist ebenfalls bestens geeignet, um „magische“ Kohlsuppe zu kochen. Die war vor Jahren mal en vogue, weil man damit so toll abnehmen kann. Der Trick ist, dass man nichts anderes essen soll und das Zeugs nach Pups schmeckt. Ausserdem stinkt die ganze Bude und damit auch alle Kleidung und man selber. Die daraus entstehende soziale Isolation schnürt einem zusätzlich den Hals zu und man nimmt schneller ab, allerdings nur am Freundeskreis und nicht an der Plautze. Viel geiler am Bauch abnehmen kann man mit Weihnachtsplätzchen, wenn man Weizenmehl durch Fischmehl ersetzt. Schön dick Zuckerguss drauf und als Weihnachtsmann verkleidet verteilen. Die Hetzjagd, die ahnungslose Esser mit euch veranstalten werden „lassen die Pfunde purzeln.“ Ebenfalls prima „in shape“ kommt man bei den Hoppelveranstaltungen in vorweihnachtlich geschmückten Hafenklang. Wisse:

12.11.2012

Bier ist keine Hülsenfrucht“ ( Ernährungstipp gegenüber Dosenpfanderntehelfern)

Der Kreislauf des Lebens hat einige Haarnadelkurven, letztlich ist es aber wie bei allen Fahrgeschäften: Nach der 20. Runde kommen eigentlich keine Überraschungen mehr, aber für Übelkeit reicht es immer noch. Und da man während der Fahrt eh nicht aussteigen, ja nicht einmal die Hände zu weit rausstrecken soll, tuckern wir weiter munter herum und hoffen stets, dass auch bei der nächsten Runde die Mama noch da steht und zurück winkt. In diesem Bild ist Mutter mit Weihnachtsmarkt gleichzusetzen, denn die Sonnenuhr zählt nur heitere Stunden und der Mondkalender steht zwar wie jedes Jahr von Januar bis Dezember auf Saufen, kennt aber saisonale Abstufungen. Ihr könnt also beruhigt sein: Wenn es draussen schon wieder dunkel wird, bevor ihr aufgestanden seit, geht im Newsletter das Gehetze gegen Glühwein und andere Grausamkeiten der Unkultur wieder los. Adelskrone verpflichtet.
Bevor wir aber nach reichlichem „Genuss“ warmen Fusels wie jedes Jahr versuchen, Tannenbäume zu rasieren, Gehwegplatten abzuspielen um dann anschliessend beim Weihnachtsmann in seinem Pappkarton zu übernachten – davor sollten wir in uns gehen und die letzten Minuten dessen erspüren, was als Zeit zwischen den Dramen bekannt ist. Die frischen Dominosteine sind schon da, das beschissene Weihnachtsgedudel noch nicht. Während wir langsam runterzählen, die Termine der Woche im Hafenklang:

07.11.12

Essen sie das noch?“ (Mutprobe an der Käsetheke)

Bis heute habe ich nicht verstanden, was an Supermärkten super ist. Natürlich sind sie ein spannender Spielplatz für Leute, die gerne Sachen sortieren und es ist ein Dach drüber. Trotzdem scheint mir der Begriff etwas hoch gegriffen. Jedoch ist ein aufmerksamer Gang durch den Supermarkt ist wie eine Weltreise des kleinen Mannes. Man entdeckt nicht nur die dringend für den eigenen Bedarf nötigen Lebensmittel aus allen möglichen Ecken der weltweiten Nahrungsfabriken, sondern abseits der eigenen Trampelpfade Hinweise auf völlig andersartige Biosphären. Damit meine ich nicht die von Mitarbeitern im Süßigkeitenregal versteckten Eier, sondern Ecken vom Supermarkt, wo man nie ist. Was sind das zum Beispiel für Leute, die bei Penny Mettwurst im Glas kaufen? Oder einen der Gerümpel-Sonderposten, über die man immer stolpert? Es lohnt sich, einmal mit einem Einkaufswagen (statt bestenfalls mit einem Getränkekarton, weil man „eh nix kaufen wollte“), den Süpermarschee Gang für Gang abzufahren. Sachen gibt`s, die gibt`s. Und es ist nicht mal Staub auf der Verpackung, also werden sie bewegt… Wenn man dann seinen Einkauf stolz wie Lafontaine erst aus dem Regal in den Wagen, dann vom Wagen aufs Band, dann vom Band wieder in den Wagen zurück und von dort in Tüten und Papier packt und somit auch wirklich jeder Zeit hatte zu gucken, kann man sagen: „Sehet her, ihr Leute! So etwas kaufen schmucke People wie ich! Eine prachtvolle Selection, die meinem Wesen entspricht.“ Blöd nur, wenn alle Lebensmittel – ob fest, ob flüssig – in Dosen transportiert werden und man zugeben muss, dass man die beiden anderen Arten der Konservierungskunst (Tiefkühl und Tüte) aufgrund vergangener Garungsdesaster lieber ad acta gelegt hat und warme Nahrung nur noch per Telefon und Bringdienst zubereitet. Allen, die sich hier wiederfinden sei herzlich gratuliert: Ihr seid Premiummitglieder im Club der gescheiterten Existenzen.
Das Programm des Clubs unterm Tischbeingebäude sieht so aus:

30.10.2012

Verdammnis“ (Biberbestsellerbuch)
Eigentlich sollte dieser Text von der Pastinake, der Wurzel allen Übels, handeln. Ich konnte ihren Einfluss auf meinen Speiseplan aber inzwischen eindämmen und das Problem im Mülleimer isolieren. Bleibt genügend Zeit, sich mit der Weihnachtsbäckerei auseinander zu setzen, denn revolutionärer Logik folgend müsste ich jetzt darauf scharf sein, wo ich doch schon keine Kekse möchte. Arme sind aber genug vorhanden, es liegt einfach am Geschmack, dass die Dinger dort bleiben können, wo der Pfeffer wächst – Madagaskar, Gewürzregal, Bullengürtel.
Wenn Kekse essen schon keine Option ist, und Kekse herstellen (das ab jetzt zu verwendende Verb ist „Keksen“) nur bedingt Spass macht, weil immer wieder jemand seinen Kopf ins Mehl stößt und ruft „Ich bin Tony Montana!“ während andere Leute ihre angeblichen Allergien und Ernährungsvorlieben zu bedenken geben… Was macht der vernunftgelenkte Newsletterlesende dann? Die besten Bamse-Kekse der Welt. Was auch sonst? Wir lassen alles, was am Keksen scheiße ist, einfach weg und die Sachen, die Spass machen, machen wir noch geiler. Lifehack nennen Idioten so etwas.

Hafenklang Dauerkekse: Das beste am Keksen sind Geruch, gemeinsam in irgendwas rumwühlen, Formen aus plattgewalzter Pampe ausstechen und alles im Ofen verbrennen lassen. Genau genommen ist das bereits der ganze Vorgang.
Für den Geruch nehmen wir Benzin, das riecht jeder gern, die Pampe wird vegan aus Zeitungspapier und Wasser gemacht. Jetzt aus brauner Pappe (Lebkuchenersatz!) komischen Quatsch ausschneiden, die Zeitungspampe draufklatschen und alles in den Ofen bis der Rauchmelder anspringt. Zwischenzeit mit Sprühkleber schnüffeln überbrücken. Die fertigen Kekse halten ewig und können jedes Jahr wieder angesehen werden.
Im Hafenklang ansehen kann man sich die nächsten Tage folgendes:

24.10.2012

Erdnusslocken“ (Arbeitstitel meines veganen Fetischromans)
Niveau ist ein Planet mit wenig Anziehungs- aber hohen Rotationskräften. Und das Gefühl mangelnder Anziehungskraft stellt sich nicht erst beim Blick in den Spiegel ein, sondern bereits im feuchtwarmen Mummelbettchen: Die Kraft zum Aufstehen und Anziehen nimmt allmorgendlich in direkter Verbindung mit der schwindenden Morgensonne ab. Gut, dass wir ab Sonntag wieder eine Stunde mehr Zeit haben, den nachbarlichen Radiowecker anzuschreien – so bleibt Raum, den Wechselstrumpf einzupacken, damit die Rübe besser runkelt. Anschließend gilt es wieder, dem feindlichen Leben zu trotzen. Streng gegen sich und andere, im Auftreten wie im Körpergeruch. Glücklicherweise ist in all dieser Kargheit ein Silberstreifen zu finden, der verhindert, dass „die da oben“ in eure wichtigsten Geheimnisse und geheimsten Wichtigkeiten Einblick bekommen. Die Alufolienkappe namens Hafenklang wumpert euch mit unglaublichen Veranstaltungen alle Erinnerungen weg. So seid ihr sicher, falls ihr mal von Aliens entführt werden solltet. Die Veranstaltungen mit Sternenschweif:

18.10.2012

„I know violence is not the answer, I got it wrong on purpose“ (Sportlerhumor)

Newsletter sind dazu da, laut schreiend auf und ab zu hüpfen und die ganze Zeit fingerschnipsend zu gröhlen: „Guck mal, was ich neues hab!“. Als Bonus gibt es dann meistens 5,- oder ein buntes Bild oder irgendeinen anderen Mist wie langatmige Einleitungen. Alles teuer bezahlt von treuen Kunden. Umso schöner, wenn eine Werbeaktion den Charakter der Ware widerspiegelt. So haben die Käufer vom Gummibärenblut es finanziert, dass jemand für unglaublich viel Geld „ganz schön high“ wird, um dann quasi direkt ungebremst den Absturz seines Lebens zu erfahren. Passiert im kleinen mit diesem und anderen Stoffen an jedem Abend in jeder Disko, an jeder Tanke, auf vielen vollgepupsten Sofas.
Doch von Ikarus zu wichtigeren Dingen: Mützenzeit! Auch wenn viele Leute aus vermeintlich modischen Gründen das ganze Jahr über eine Kopfbedeckung tragen, jetzt wird es notwendig. Der Winter naht und Insekten und Kleinsäuger suchen eine Stelle zum sicheren Überleben. Ohren sind dort das, was Süden für Vögel ist. (Falls euch jemand fragt, dürft ihr das gerne zitieren: Ohren sind der Süden der Insekten und Kleinsäuger.)
Das unfreiwillige Ohrasyl lässt sich auch nur bedingt vermeiden: Ohne Kopfbedeckung verkühlt man sich, ausserdem haben Viecher freien Zugang. Mit Mütze, Kopftuch oder Stirnband (Wintertrend 2014) zirkulieren die Ohren nicht genug, der Ohrgeruch wird muffig und lockt noch mehr Insekten als ohnehin schon. Körperteile ins Ohr stecken schiebt bloss tiefer rein und nur wahnsinnige lassen sich noch vom Ohrenreiniger mit Pinzette, Zahnstocher und Wasserwerfer den Gehörgang penetrieren. Die naheliegendste Form der Reinigung ist „Ohrendeo“ mit 76% Alkohol, alternativ Sambuca bohnenfrei über die Lauscher trinken, ohne dass brennende Flüssigkeit zu tief kommt.
Deutlich komfortabler ist aber, sich das Trommelfell musikalisch aufbürsten zu lassen.
Die Streicheltermine im Hafenklang:

09.10.2012

„vegan oder tot – ich ess alles.“ (omnivore Lebensweisheit)

Hat sich eigentlich schon mal jemand oder noch nicht? Wäre gut zu wissen, weil man dann unter Umständen. Und da kann man gar nicht genug! Jedenfalls sollten wir mehr und Du könntest auf immerhin manchmal. Nee, das mein ich gar nicht. Pass mal lieber mehr auf, dass die. Wieso ich? DU hast doch! Müssten sie nicht eher. Ach, das soll so? …scheisse.

yep.

Tagesaktueller Zirkelschluss zum Anfang des Textes:
Ein 32-jähriger Mann ist nach seinem Sieg im Kakerlakenwettessen noch vor Ort tot zusammengebrochen. Die ungefährlichen Termine im Hafenklang:

03.10.2012

Aquam foras, vinum intro!“ (Wasser raus, Wein rein! Petronius)
So einzigartig wunderschön Biogemüse auch sein mag: Die beste Verwendung für Steckrüben ist immer noch Völkerball oder Schnapsmachen. Hybridtrinker sind sich einig: Bio ballert. Bleibt nur die Frage nach der passenden Trinkkultur. Schon seit Jahrzehnten ist im Norden festgestellt worden, dass man zwar wenig trinke, aber oft und dann viel. Doch wie schlucken andere Leute und warum? Warum nicht einmal neues entdecken? Statt Korn mit Fanta, Cola mit Weinbrand oder Mescal mit Würmchen vielleicht einmal Eierlikör mit ganzen Stücken! Das dehnt „den Lauf“ gleich für die zu erwartende Wiederkehr vor, falls das Ei wider Erwarten ein „tausendjähriges“, sondern einfach nur angebrütet war. Ob hartgekocht oder handwarm direkt „auf Ex“ ausgelutscht – das wird ein Bacchanal, das Spuren hinterlässt, vor allem freilaufend.
Bleiben wir gleich beim Vogelspass, denn ich komme aus einer Familie von Tierbefreiern. Der letzte Wellensittich, der bei uns übernachtete war ein eingefleischter Fußgänger und wenn er flog, dann nur um sofort hinter den Wohnzimmerschrank zu rutschen und dort festzustecken. Dort sang er dann sein Klagelied, bis ihn wer befreite. Wir nannten ihn ob seiner Lage und der Schönheit seines wandtafelkreidegleichen Gesanges abwechselnd Rapunzel, Sirene oder Loreley, denn er war crossdresser und kein „cis“co. Wellensittiche können bei richtiger Pflege bis zu 20 Jahre alt und 600 g schwer werden, was erwiesenermassen zu einigen Problemen führen kann, denn die Auseinandersetzungen mit dem Spiegel an der Vogeltränke nehmen im Alter an Brutalität zu.
Harmlos, spassbetont und ebenso vogel- wie hundefrei: Die Termine im Hafenklang