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Road to nowhere, pt. 1

Der große Unvollendete. Mein Roman, der die Popliteraturwelt erst in den Grundfesten erschüttern und anschließend überflüssig machen wird. Eigentlich lautete der Arbeitstitel „Spuren von Nuss“, aber in den 12 Jahren, in denen das Skript nicht fertig wurde, hat sich der Witz überholt. Schade.
Weil ich erstmal rumliegen muß, gibts hier ein Fragment von 2002.

Dreck. Ganz klein und verloren, aber auf Mittelachse zentriert taucht das Wort aus den Nebeln des Rausches auf. Also bin ich wohl wieder wach. „Immerhin denke ich nicht an irgendwelche Frauen“ denke ich und tue es genau damit dann doch. Schnell im Geiste das Bett abgetastet, ob nicht vielleicht doch… und tatsächlich liegt jemand neben mir unter der Decke. Ich bin glücklich, wie man es nur im Halbschlaf sein kann. Denn ebenso schnell, wie ich mir die Frau dahinhalluzinierte, habe ich sie wieder weggedacht. Liebe in Zeiten der Cholera.
Ich komme zu dem Schluss, dass eingebildete Freunde die besten sind. Leute, die man sich nur vorstellt, haben immer Zeit und – was das Beste ist – bleiben nie länger als nötig. So wie die schlafende Schöne, die eben noch mein Bett bevölkerte. Die beste Art des One-Night-Stands: man fühlt sich morgens nicht allein, ist es aber in Wirklichkeit und erspart sich damit alle nervigen Begleitumstände, die man am wenigsten morgens gebrauchen kann. „Wie heißt sie/ Wie heiß ich? Muß ich jetzt auch noch Kaffee kochen? Wer stinkt hier eigentlich so aus dem Maul?!“ usw.
Gedanken die man auch nur auf Halbschlaf verstehen kann.
Als ich wacher werde merke ich, wieder bei Licht geschlafen zu haben. Demnach geht es mir nicht so gut, wie mein Schlafrausch vermuten ließ. Ich schlafe gern und am liebsten Tagsüber und in der Nacht. Nachts aus Langeweile , weil es Dunkel ist und weil eben alle anderen auch pennen und das Freizeitangebot eher gering ist – Tags, weil ich weiß, da ist etwas, wovon ich mich abwenden kann. Tags ist man nicht allein und abgelenkt von sich und den eigenen Gedanken. Draussen ruft das Leben. Zwar nicht nach mir, aber es ruft, schreit geradezu nach Beachtung. Ich lasse es gerne leiden, indem ich es gröhlen lasse bis zur Erschöpfung, aber letztendlich bin ich ihm dankbar für die Ablenkung von Gedanken. Denken – oder noch schlimmer der Versuch, es zu tun, ist mörderisch. Das klingt nach einer tollen Mischung aus aufgesetztem Pathos und pseudointellektueller Depression, entspricht aber vermutlich der Wahrheit und ist nicht allzu hoch gegriffen. Es geht nicht um die armseligen Suizid-Fluchtversuche gescheiterter Lappen, sondern an sich um Gedanken und dem immer damit verbundenen Zweifel an allem, was man bedenkt.
Da! Merken sie’s? geht schon wieder los. Ich wollte nur erklären, dass ich mit vollem Kopf besser bei eingeschaltetem Licht schlafen kann und herauskommt solch geschwollenes Geseiere. Dabei ist es genausogut möglich, dass ich gestern so besoffen war, dass ich das Licht anliess um einen Fixpunkt im Zimmer zu erkennen, weil sich bei geschlossenen Augen wieder die Promille-Achterbahn in Bewegung setzte. Und der Geschmack im Mund bzw. die schwarzen Ränder unter den Nägeln lassen auf ein Gelage im großen Stil schließen. Die fehlende Erinnerung noch mehr…