Archiv für September 2012

26.09.2012

„Der verzieht keine Mine.“ (Wenn Leute mit Rechtschreibschwäche von stoischen Bergarbeitern berichten.)
Wie ich letzte Woche treffend feststellte, ist laut Spekulatiusaufkommen der Herbst ausgebrochen. Endlich urlaubliche Nebensaison! Betuchte kinderlose Singles buchen Billigflieger, um durch ausgestorbene Urlaubskäffer zu wanken und festzustellen, dass auch der Tourismus mal Urlaub macht. Finanziell weniger gut Bestückten bleibt nur, mit der CC-Karte – dem Ticket für die HVV Nebensaison (9-16 bzw. 18-4 Uhr) – ein wenig nach Jenfeld, Osdorf oder Mümmel zu fahren. Entweder, sie wohnen da ohnehin schon oder sie berauschen sich an den prächtigen Plattenbauten im Regen und freuen sich, dass sie für diesen Downer nicht auch noch durch den Nacktscanner mussten. Das geht übrigens auch nicht mehr lange gut, denn der HVV erhöht die Preise. Powerbegründung: Immer mehr Leute nutzen den öffentlichen Nahverkehr.
Anderer großer Knaller diese Woche: Thermische Verwertung von Reststoffen direkt vor Ort durch einen Mann und sein Feuerzeug. Auf die Frage, was er da tue war seine Antwort rein deskriptiv und damit großartig. „Ich verbrenne heute in der Gegend Müll“ ist für mich eine der besten Antworten, die man geben kann, sollte man irgendwann mal nach seinen Urlaubsplänen gefragt werden. Eigentlich auch sonst. Der Mann ist in seiner Lässigkeit für mich eine Art realer Superheld, quasi „Müllman“, nur eben anders.
Letztes Highlight bislang: Schumi (der Rennfahrer mit dem Gesichtsspoiler) verpasst die Schweigeminute eines toten Bekannten. Soweit, so unpassend. Aber musste er noch einmal nachlegen, indem er erklärte, er war zwar während der Schweigeminute auf Toilette, aber währenddessen die ganze Zeit in Gedanken beim Toten? Die nächste Steigerung wäre dann die Urne als Nachttopf. (In Zeiten von Smartphones und Tablet PCs will ich andererseits auch nicht drüber nachdenken, wo der Newsletter gerade gelesen wird. Hoffentlich nur, wo keine Fliesen sind…)
Ähnlich tagesaktuell wie diese Mini-Presserundschau, die Termine im Hafenklang:

17.09.2012

I am the cheese. I am the best character on this show. I am better than the salami and the bologna combined.“ (Mr. Cheese)

Die Kapelle greift wieder zum Tuschkasten und spielt einen eben solchen: Veronika, der Herbst ist da! Die kaltgepressten Ostereier sind als Dominosteine wiederauferstanden und beweisen damit den buddhistischen Reinkarnationskreislauf, obwohl Schokolade eigentlich fleischfrei ist und der Begriff Reinkarnation bei Leberkäse oder Fertigfrikadellen viel besser passen würde. Frikadellenfans, die aus ihrem Körper mehr Selbsterkenntnis (und Frustration) als Selbstvertrauen ziehen, vermeiden Begriffe wie FrikaDELLEN bzw. FrikaDUNSEN, und hoffen so, nicht immer auf die optischen Begleiterscheinungen vom Ergebnis jahrelanger „Fleisch“Mischkunst gestossen zu werden. Klappt natürlich nur solange, wie man im Stehen seine Füße noch sehen kann. Das soll hier aber kein flammendes Fanal wider den Fleischverzehr sein, ich möchte nur mal viele Worte mit F-Lauten verwenden. Vielleicht isst ja jemand Kekse beim Vorlesen. Die beiden Dinge, die ein Cowboy nie verleihen sollte, sind übrigens Pferd und Pfahnbürfte, hat mir mein Opa einst erklärt. Der hat mir auch den Begriff „Chansonettentittchen“ für kleine Frikadellen versucht nahezubringen. War ne andere Zeit…
Wer übrigens mal versuchen möchte, ob die dicke, grobe Fleischereifachverkäuferin in der Berufsschule aufgepasst hat, bestellt „ein Achtel Bie-Steakhack“ und echauffiert sich sofort lautstark, wenn verwirrt nachgefragt wird. (Für Zugezogene: 62,5 g – ein achtel Pfund und umgerechnet etwa zwei Happs)
Nahrung hin oder her: Die Termine der Woche mit wie immer sattem Sound und hungrigem Publikum

knack.

Es knirscht im Gebälk, noch diese Woche dürfte die 12000er Marke überschritten werden. Das heißt, ein kleiner Kreis geschmacksechter InternetnutzerInnen klickt hier immer mal wieder rein und dieser sporadisch betreute Brenner der Selbstbeweihräucherung hat es bis auf Seite 2 der Google Suchergebnisse geschafft. Im Land der Jägerzäune ist das für jemanden, der sich sonst nicht googelt ganz gut. Nach diesem 3 G Satzabschluss ein Video zum Thema Knack, (bzw: Leute, mit denen ich gerne mal trainieren würde.)

Und natürlich immer wieder: Danke, dass ihr hier vorbeiluschert. Ich freue dann in etwa immer so:

weitermachen.

11.09.2012

Like eyes in the sunshine“ (Wenn Serienmörder Lieder schrieben)

Immer wenn man traurig ist, trinkt Heinz Erhardt einen Korn und Petrus fängt an zu weinen, weil er Dich kleinen Engel verloren hat als Du damals – kurz bevor wir uns trafen – vom Himmel fielst. Und so muss es passiert sein, denn Du siehst aus, als ob Du aus großer Höhe ungebremst auf die Hackfresse gefallen bist. Nachdem wir das aus der Welt geschafft haben und es nun vielmehr zwischen „uns“ im Raum steht, können wir uns den anderen Widrigkeiten des Lebens zuwenden.
Leserbriefe sind solch ein Thema. Eine per Internet zugezogene Person wünscht sich, den Newsletter per Absatz und Zeichensetzung übersichtlicher gestaltet zu erhalten. Dazu ist folgendes zu sagen: Dieser Text ist wie vorgekocht, die äußere Form dient als Serviervorschlag, am völlig überwürzten Inhalt und der hohen Kalorienanzahl trotz minderwertiger Inhaltsstoffe ändert sich nichts. Mit anderen Worten sieht der Text bei mir am Katheder noch prima aus, wenn er aber z.B. im Gratismailprogramm aufploppt, sind alle Formatierungen sowie diverse Satzzeichen im Katheterbeutel des Internetz gelandet. Schaurig, aber so steht es geschrieben. (Absatz)
Sehr gut hat mir auch die Zuschrift gefallen, die eine Verdoppelung meines Honorars forderte (die Mail wurde mir im Gegensatz zu dem anderen Ding gar nicht weitergeleitet. Egal, Bleiche drauf, abwischen, Neustart). Ich werde das beobachten wie meine Nachbarn mich beim Duschen.
Damit hat sich auch das Wurmloch „Interaktion mit Rezipienten“ wieder geschlossen, bis das Mondgesicht im zweiten Haus Jupiter aus den ungeputzen Scheiben grient. Also: Bitte keine Leserbriefe, lieber den Newsletter verlinken, zum Neuabonnieren animieren und unter verschiedenen Pseudonymen bei den Veranstaltungen mehrfach Eintritt ablatzen. Das Programm zum Auswendiglernen:

04.09.2012

Zu jeder Schmandtat bereit!“ (aus „Kalte Küchen Kalauer für Leute mit spitzer Kochmütze“)
Der Newsletter beschäftigt sich immer wieder mit Kommunikation und geht so über das reine Bewerben der eigenen Veranstaltungen hinaus wie eine Lemminghorde beim Helgolandbesuch. (Der Erfolg dieser Massnahme spiegelt sich deutlicher im verwendeten Bild wider, als viele Leute glauben mögen, aber dazu irgendwann anders mal mehr). Videobotschaften, Kornkreise, Körpergeruch, Internettexte und Plakate sind meine liebste Arten der Kommunikation. Ich kann mich beinahe minutenlang vor einem Plakat aufhalten und liebe es, wenn die dünne Glasur des „gutgemeinten“ Risse bekommt und den Blick auf die wahnsinnigen Fehlentscheidungen freimacht, die wärend des Herstellungsprozesses getroffen wurden und nun nicht mehr aufzuhalten sind. Ein Plakat als Sinnbild eines Lebensentwurfs und Geistesglückskeks, der Newsletter als Tauchsieder der Seele. Doch worum geht es eigentlich? Frösche? Haltbarkeitsdatum? Anspielungen auf Zeiten längst vergangenen Ruhms? Nein, oder zumindest nicht ganz: Es geht um Hoden.
Vermittelbarkeit ist ein wichtiger Aspekt menschlichen Handelns. Viele Taten haben eine Aussenwirkung und man sollte sich zumindest manchmal überlegen, ob die eigenen Vorschläge irgendwie nachvollziehbar sind (der Newslettertext ist hier ausdrücklich ausgeschlossen).
Mein derzeitiger Diskrepanz-Hit ist das Plakat einer Tierrechtsgruppe, auf dem sich ein traurig guckender Hund in der Ukraine per Foto und Text mit einem dicken DANKE erkenntlich zeigen möchte, dass ihn ein spendenfinanziertes Rollkommando eingefangen und kastriert hat. Nun soll noch mehr Geld gesammelt werden, um noch mehr „… Streuner einzufangen, zu kastrieren und zu behandeln. 3000 Hunde haben sie bereits kastriert und behandelt, und sie machen weiter“
Ich habe an keiner Stelle im Text entdecken können, wie die Kastration das Leben der Streuner einfacher macht und dass die Tiere nach so einem Eingriff noch behandelt werden, sollte eigentlich so klar sein, dass man es nicht erwähnen braucht. Na, vielleicht stecke ich einfach nicht so sehr in der Kastrationsszene (heißt das bei Tieren eigentlich auch Bodymodification?), aber das ganze KLINGT ja noch nicht einmal euphemistisch. Im Angesicht des hodenlosen Hundes, der dafür auch noch Danke sagen soll: Mein Geld bleibt, wo es ist. Na, wie auch immer. Irgendjemand wird nun bestimmt wieder ganz böse über so viel Unkenntnis sein. Zum Glück dürfen Veganer nix mit Buttersäure machen.

Die genderneutralen Termine im Hafenklang

29.08.2012

„Master Eugene Talks with Hubbie“ (Wenn die Beatles heute Konsumsongs machten)
Der letzte Newsletter muss unglaublich gut angekommen sein, bis heute hat mich noch niemand gefragt, wo der neue bleibt. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass alle Bands lieber am Strand liegen und wir eine Art Sommerpause gemacht haben. Man weiß es nicht, denn fragen hieße Interesse zeigen. Doch stille Konflikte schrecken mich nicht, das Schreiben ist mir eingefleischt wie ein Zehennagel. „Die Leude“ wollen informiert werden, was zwischen den ganzen Flohmärkten und Strassenfesten so passiert. Letzte Woche war in Rostock Kinderfest samt Auftritt des Bundesgaucklers. Der Anlass war besonders, man erinnerte an das bislang nachhaltig prägendste ostdeutsche Ereignis der Nachkriegsgeschichte. Doch genau wie beim Konsum von Pfeffi und „dem guten“ Bautzner Senf wollen damals Beteiligte heute gar nichts mehr davon wissen. Da man aber irgendwas symbolisches machen wollte, wählte man eine Geste, die gut zwischen Inhaltsarmut, Nichtgedenken und „die Täter nicht beschämen“ vermittelte. Man pflanzte eine Eiche, vermutlich weil ein Mülleimer zu teuer war. Tja, nun isse weg, soll aber neu gemacht werden. Ich bin gespannt, ob sie diesmal eine aus Park Fiction nehmen. Speaking of „Bomben drauf“: In München wurde eine Weltkriegsbombe so kontrolliert wie möglich gesprengt. Um das Ergebnis zu beschreiben, erklärte jemand „Das sieht hier aus wie nach ner Strassenschlacht“. …Das offensichtliche „Hier IST ne Bombe hochgegangen. Sieht so aus, wie man’s sich vorstellt“ war vermutlich zu naheliegend.
Einfach so: Die naheliegenden Termine im Hafenklang