Archiv für August 2012

22.08.2012

„Unsere Jugend ist heruntergekommen und zuchtlos. Die jungen Leute hören nicht mehr auf ihre Eltern. Das Ende der Welt ist nahe.“ (Gejammer, ca. 2000 v. Chr.)

Da diese Woche nicht viel gefeiert wird, bleibt Zeit für bleischwere Gedanken.
Man ist immer so alt, wie man morgens aussieht, egal was man sich selbst einredet. Wenn Kinder bzw. Jugendliche einen nicht mehr abziehen wollen, sondern siezen, kann die Jogginghose noch so lässig sitzen – der eigentliche Zug ist abgefahren und nur noch in der Bahn nach Nirgendwo ist ein ganzes Abteil für einen reserviert. Partywagen hin oder her. Weitere sichere Indikatoren sind, dass die ganze „neumodsche“ Musik ein Batzen scheisse ist und die Jugendlichen alle einen an der Murmel haben. Zumindest Punkt zwei ist bei mir erreicht. Ich habe nach der Lektüre eines SpiegelOnline-Artikels endgültig aufgegeben. Bei einer Umfrage unter SchülerInnen soll herausgekommen sein, dass Polizei, ProSiebenSat.1 und die Bundeswehr die drei beliebtesten Wunscharbeitgeber seien. Gerne würde ich nun einen herzhaften Kommentar beisteuern, aber mir schrumpelt sich das Herz zusammen: von Wassermelone auf Rosine in unter vier Zeilen Text.
Wie das Zitat oben zeigt, denkt jede Generation, dass die folgende Armageddon eingeläutet hat, aber bei aller Liebe – was geht hier schief? Passiert das, wenn man zuviel Bushido hört? Und wie passt das zur angeblich immer stärker steigenden Kriminalitätsrate bei Jugendlichen? Oder muss den Gören mal jemand erklären, was man bei Polizei und Bundeswehr eigentlich so macht? Polizisten treten ja auch gerne mal Vereinen bei, die inhaltlich ganz anders sind, als sie angeblich vorher dachten (wer bei Googles Bildersuche „spanische Prozession“ eingibt, versteht ihren Irrtum… „Mit Fanta, Haube, Butterkeks – junge Christen unterwegs“).
Ebenfalls unverständlich und nicht zum Lachen: Wieso rennen, nur weil es mal etwas wärmer ist, haufenweise Idioten (augenscheinlich nüchtern) oberkörperfrei durch die Innenstadt? „No nation, no border“ beinhaltet nicht unbedingt Schamgrenzen! Darüber auch mal nachdenken und hoffen, dass der moralische Mittelfinger nächste Woche eingeklappt bleiben kann.
Den Abschluss macht ein Querverweis auf das Sommerthema „Tres bien: Amphibien !“
Für Leute, die Sonnabend keinen Bock auf griechischen Wein im Gefahrengebiet oder eine saftige Sause im Hafenklang haben: „Heut ist ein Fest bei den Fröschen am See, Ball und Konzert und ein großes Diner. Quak, quak – quak, quak.“
Die anderen Termine in Wurfweite der Elbe:

15.08.2012

Ich kann mich nicht erinnern, jemals etwas vergessen zu haben.“ (Schlägereieröffnungen Band 2, Sätze für Leute mit Nehmerqualität)

Auf dem Kreuzzug wider die Ungerechtigkeit arbeite ich mich diesen Sommer durch den komplexen Themendiskurs „Wo der Frosch die Locken hat“ und habe mich deswegen einer „critical greening“ Gruppe für Froschrecht angeschlossen. Gestern haben wir versucht, unser Manifest bei einem schönen Humpen Bubbeltee „in shape“ zu pressen, leider waren die Lookism Leute dagegen und haben sich abgespalten. Bleibt unsere Kritik also noch ein bisschen länger amorph, passt auch besser als Kontrast zum messerscharf rasierten Ohrenhaar. „Nufta“ ist hier das Codewort.

Zurück zum Bläschentee, der gerade in buchstäblich aller Munde ist. Dem Froschfreund ist die Ambivalenz des Verzehrens klar: Positiv zu vermerken ist, dass allen Leuten Froschlaich in Optik und Haptik wieder ein Begriff wird, negativ ist, dass es nicht lange dauern wird, bis einige Leute von dem veganen Substitut sprichwörtlich die Schnauze voll haben und wieder versuchen werden, es riel zu kiepen (wie der Sprachschüler sagt). Schon bald werden Freaks in Batikkleidung sich mit den Matejunkies in engen Hosen um die besten Plätze am Teich zanken, um dort mit dicken Strohhalmen Kaulquappen zu veratmen. Jute- gegen Leinenbeutel, Hippie gegen Hipster und alle gegen Frösche: Ein Krieg, bei dem nur Moskitos gewinnen können.
Noch ist allerdings Zeit – als ich gestern im Bubbelladen einen „Grande Laich-chai mit Laubfrosch und Wasserkastanie“ bestellte, versuchte man mich hochkant rauszuwerfen. Alter, bin ich avantgarde.
Um aus dem Hafenklang zu fliegen, bedarf es mal mehr, mal weniger. Die meisten Gäste wissen aber, sich zu benehmen. Um potentiell überhaupt rausfliegen zu muss man aber erst einmal hineinkommen. Die netten Termine für nette Leute:

07.08.2012

Immer mitten in die Frösche rein“ (die Örtschte)
Hamse gemerkt, wie wenig gerade in der Stadt los ist? Ich auch nicht, hätte aber klappen können. Wir tun einfach so, als ob.
Das Sommerloch ist der richtige Zeitpunkt, innezuhalten und etwas neues zu lernen, was man dann im Kreise der Weihnachtsdominosteine zuhause am Bordstein präsentieren kann. Ich lerne gerade, Frösche aufzupusten und daraus Ballontiere zu machen. Bis jetzt kann ich „Ball mit Zipfeln“ oder eben „Frosch“. Das mit den Knoten bekomme ich aber auch noch hin, bis zum ersten Lebkuchenverkauf sind es ja bestimmt noch 4 Wochen. Frösche aufpusten ist nebenbei ein völlig anderer Vorgang als Frösche auspusten, denn das macht man nur, wenn man was anmalen möchte. Bemalte Frösche sind aber Quatsch, denn wenn man mal ein bisschen über den eigenen Tellerrand guckt (z.B. auf einen, der viel weiter weg ist), gibt das schon voll viele bunte Frösche. Nur darf man da nicht mit dem Mund rankommen, so wie bei nichtgekauftem Kuchen, gefrorenem Metall oder tote Katze. Und ausserdem sind die so lütt, dass man keine Knoten reinmachen kann und die Luft wieder rausgeht.
Wo wir gerade beim Rausgehen sind: Die Ausgehtermine im Hafenklang:

30.07.2012

Das kann nicht dein Ernst sein! Das ist meiner.“ (Wenn sich Kinder zu sehr ähneln)

Neulich bei Olympia fiel es mir wie Schuppen vom launigen Wortspiel: Einer der schönsten Momente im Leben eines Mannes ist das Erreichen der motorischen Reife, ein Feuerzeug zu bedienen. Um die Welt ein bisschen verändern, bedarf es nicht viel mehr, als eine Flamme irgendwo gegen zu halten. Sei es an von älteren Verwandten beschaffte Silvesterböller, die Bushaltestellendecke, Nachbars Alpaka, den eigenen Daumen… irgendwas passiert immer und entweder es macht ein Geräusch oder es riecht komisch. Den letzten Teil des Satzes kann man sich übrigens getrost mit einem Löffel in die Fontanelle meisseln, wahrer läßt sich das Leben kaum zusammenfassen. Doch genug von pyromanischen Gedankengängen, denn Zündler_Innen pieschern nicht nur nachts ins Bett (vermutlich als Löschhilfe), sondern haben auch gerne mal das BKA am Nachtschrank stehen. Daher: ich besitze keinen Grillanzünder und war seit Jahrzehnten nicht beim Osterfeuer! Ich esse nicht mal mehr scharf, weil das immer so im Mund brennt. Meine Akten können daher wieder weggelegt werden. Oder geschreddert, wie die vom Mundlos…
Nach dieser wilden Tour de force, die Anspielungen lianengleich im Dschungel der abgründigen Bemerkungen im Vorbeigleiten greifend, wird es Zeit. Zeit, sich auf der Aussichtsplattform beim Blick durchs Bezahlfernglas forsch auf die Brust zu trommeln und zu rufen: Ich stehe der Sache unentschlossen gegenüber und würde viel lieber Tiere pflücken gehen.
Leider ist das bei dem Wetter illegal. Also mach geh ich Sach Weltraum Hans.
…Ebenso gut zu verstehen: Die Termine in all ihrer Pracht.