Archiv für Januar 2011

25.01.2011

ewige Blumenkraft!“ (John-Wolfram van Göte)

Im Leben des Letterers passiert in letzter Zeit verdächtig wenig. Auch mein Lieblingsressort „Haltbarkeit von Lebensmitteln“ birgt gerade keine neuen Erkenntnisse. Selbst das „Happy Meal Project“, bei dem eine Dame einen Hamburger und eine Portion Pommes seit gut 9 Monaten beobachtet, läßt mich eher kalt. Die Dokumentationsfotos sehen nämlich alle gleich aus. Nichts gammelt. Nicht mal die Farbe ändert sich. Markenqualität. Also flugs ein neues Leitthema für die Woche aus der angeknacksten Rippe geleiert: Die schwedische Welthölzer-Verschwörung. Gewohnt ebenso investigativ wie aktuell verweise ich auf ein Thema, das schon knapp 30 Jahre vom Tisch ist und rufe auf, sich näher damit zu beschäftigen. Als Lockworte: NSDAP, Streichholzpalast, Zündholzmonopol – der Stoff, aus dem der Smalltalk ist.
Euch eine spannende Woche und nicht vergessen: Nur weil ihr keine Termine sehen könnt, heißt es nicht, dass es keine gibt!

Die offiziellen Veranstaltungen (ohne geheimen Handschlag):

Black metal ist Krieg, deshalb war ich nicht beim Bund

Beginnt man, zeitgenössische Musik als die Scheiße zu erkennen, die sie ist, dann ist man meistens zu alt. Oder die Musik ist wirklich richtig mies. Black Metal war mit Absicht scheiße (heute ist es ja nur ein Abklatsch von früher, das zählt also nicht) und hat so schon in den Neunzigern seinen Zweck bei mir erfüllt. Ich fand’s dumm und hab lieber fleissig Powerviolence gehört. Aber für nen Lacher war’s doch immer gut: Sei es das Outfit, die unlesbaren Bandlogos, Pseudonyme wie „Dead“ oder „Grishnargh“ (vielleicht hab ich mich hier verschrieben, gemeint ist der Mörder) oder der generelle Habitus des böseböseböse-seins. Interessant ist, wie viele Leute den Kram ernst genommen haben. Ärgerlich ist, dass für den Quatsch ne Menge Sachen kaputt gingen. Komplett bescheuert ist der Nazi-Einschlag, den viele Leute da haben und dass Leute umgebracht wurden. Der letzte Satz ist noch eine bequeme Untertreibung. Trotzdem sollte einen das nicht hindern, sich über die Jungs und Mädels lustig zu machen, denn Gründe gibt’s genug:

Bevor sich jemand wundert: Die Überschrift bezieht sich auf das Lied von Nargaroth, die für mich sämtliche Kritik auf sich vereinen können. Nazispinner, die aussehen wie die letzten Lollies und unter bekloppten Namen versuchen, albernenes Poser-Geschrammel unters Volk zu bringen. Zum Glück versteht man die Texte nicht…
Wenn ich Geballer haben will, dann doch bitte vernünftig. Zum Beispiel so!

Die Luft ist raus.

Oje, „Sexy Cora“ ist tot. Das angebliche Pornosternchen aus der soundsovielten Bigbrother-Staffel (in welcher Reihenfolge sie das absolvierte, weiß ich nicht. Hab beides nicht geguckt.) hat ihre sechste Brustvergrößerung nicht überlebt. Solche Hiobsbotschaften erfahre ich von den Bildschirmen in der U-Bahn. Sie starb laut Nachrichtentext an schweren Hirnschäden. Nun könnten Möchtegern-Zyniker anmerken, dass sie die ja wohl schon lange hatte und dann bemüht hämisch kichern. Das ist aber Kinderkot. Begeistert hat mich hingegen die Werbeeinblendung nach dieser Meldung. Es ging um das neue MacBook Air. Der Slogan lautete: „Unsere Werbung wird auch immer flacher.“ Ruhe in Frieden, Cora.

…. Dass dieser Beitrag unter „Vergraben, bitte!“ getaggt ist, hat nur damit zu tun, dass die anderen Kategorien nicht passen. Honi soit qui mal y pense.

17.01.2011

Die Regierung impliziert Gedankenkontrolle und Gehirnwäsche der Bevölkerung, indem sie die Grammatik kontrolliert.“ (L. Loughner, Amokläufer)

Öffentliche Gebäude sind oft mit Auslegware versehen, auf denen Verschmutzungen nur schwer zu erkennen sind. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: man braucht nur die Mülleimer leeren und vollzieht ansonsten eine sogenannte Sicht-Reinigung, d.h. größere Unrathaufen werden eingesammelt, kleinere strategisch mit dem Fuß verteilt. Verbleibene Flecken weist man mit „das soll so“ als dem Muster zugehörig aus. Die Flurbereinigung hat im Bereich der Gebäudekosmetik übrigens nichts zu suchen, sondern wird hier nur aus Kalauergründen erwähnt. Wollte zwar keiner wissen, aber Karl den Käfer hat auch keiner gefragt, man hat ihn einfach fort gejagt. Teufel Assoziationskette. Womit wir erneut bei missverständlichen Worten sind. Ket-Wurst (lugte hier vor zwei Wochen an die Oberfläche) hat nichts mit Ketten zu tun, sondern mit Ketchup (vergl. hier das zugehörige Lied von Blut + Eisen) und ist die anti-imperialistische Variante des heissen Hundes. Komischerweise ohne Senf, obwohl der Bautz’ner Knast-Senf aus dem Plastikbecher doch ach so lecker ist. Hier ist das Ossi-Apostroph übrigens mal richtig, weil tatsächlich etwas wegfällt. So wie ich vom Drahtseil namens Zusammenhang. Will man sich eine Ket-Wurst kaufen, sollte man sich nicht nur hinterher die Wurstfinger waschen, sondern auch ganz kurz davor. „Experten“ raten, Geld und Lebensmittel nicht gleichzeitig anzufassen. Selbst wenn man denkt, mit Frischgeld aus der Wand könne einem nichts passieren: Geldautomaten wiesen angeblich eine ähnliche Keimdichte wie öffentliche Toiletten auf und was das für das Wechselgeld bedeute, möge sich jeder in den bunten Farben eines Hieronymus Bosch ausmalen… Dreckiges Geld gibt man also am Besten aus, bevor das Portemonaie schmutzig wird. Zum Beispiel bei diesen Gelegenheiten im Hafenklang

Rumms!

Es regnet Knie. Halleluja! Ein Fest. Besonders schön: die Zeitlupe bei 2:19. Noch besser: Die Freakshow mit Hong man Choi gegen „Nussknacker“ Goodridge, der in einem (anderen) über 15 minütigen Vale Tudo Kampf durch eben diesen Griff gewann, obwohl er vorher nicht den Ansatz einer Chance hatte. Youtube hat das Video inzwischen leider entfernt, allerdings hatte das auch weniger mit Kampf als mit hartem Gefummel zu tun. Weil das Bearbeiten der Genitalien damals noch erlaubt war, hatte Goodridge das zu seiner Taktik erkoren. Nicht schön anzusehen. Erst stopft er dem Gegner den Großen Onkel ins Osternest, dann schiebt er noch den zweiten Fuß hinterher und damit die gegnerische Hose samt Suspensorium etwa auf Höhe der Oberschenkelmitte …und zum Schluß dann eben noch „Der Affe stiehlt die Frucht“– Wirklich nicht schön. Dann doch lieber ne Nummer wie bei 3:09, wo es fast egal ist, ob die Deckung da ist oder nicht.

Wieso hier nur noch Links zu Fuchtelvideos und keine Texte mehr auftauchen? Rate mal, was schneller geht.

11.01.2011

Freunde sind die Leute, die einen mögen, obwohl sie einen schon kennen.“ (Isso)

Ein Festival der Liebe spielt sich auf den Straßen ab. Erstmals seit Wochen ist es möglich, das Trottoir ohne Wechselschlüpfer zu betreten; die Gefahr, sich aufgrund fehlender Reibung ohne eigenes Zutun Richtung Gosse zu bewegen strebt bis auf Weiteres gen Null. Zumindest aus nicht-soziologischer Sicht. Tauwetter in Hamburg. Endlich findet man die Sachen wieder, die man vor Wochen im Schnee verloren hat. Jubel, jubel, freu, freu – nur noch wenige Monate und Genosse Frühling wird sein blaues Band aus Heuschnupfen und Überschwemmungen wieder durch die Lüfte flattern lassen. Bis dahin lagern wir weiter unsere Vorräte kühl in einer Plastiktüte am Band auf der Aussenseite der Fensterscheibe und erfreuen uns am munteren Treiben der zurückgebliebenen Vögel, die den leckeren Hirtenkäse (zum Glück aus Kuhmilch) als gelungene Abwechslung zum Meisenknödel erkennen. Wer selber mal einen Meisenknödel mit echten Meisen kochen möchte, nimmt als Lockmittel am besten die afrikanische Köstlichkeit Fufu. Die zäh-klebrige Pampe aus Maniok und Kochbanane sorgt – locker auf dem Fensterbrett verteilt – dafür, dass man sich viele Vögel ganz genau angucken kann. Weil sie festgebackt sind. Wer das nicht möchte, macht was anderes. Zum Beispiel ins Hafenklang gehen. Diese Woche mit folgendem Programm:

Mehr Russen

Einer fiel mir noch ein. Der macht das zwar ohne Gegner, knockt sich aber so intensiv aus, wie man es nur alleine hinbekommt. Irgendwie auch Sport.

Gruppendynamik

Eine vernünftige Fuchtelei muss nicht streng monogam auf einen Partner beschränkt sein, es ist eher so wie beim Beschenkt werden. Je mehr Leute mitmachen, desto interessanter ist das Ergebnis. Technisch nicht sauber, aber sehr lustig, sieht das hier aus. Dafür würde ich sogar noch mit dem Boxen anfangen. Wobei, eigentlich doch nicht. Gut gefällt mir auch das Sparring hier, besonders ab 1:01. Lass klingeln.

3.1.2011

Wenn du ein Sexgott bist, bin ich Atheist“ (Gospel für Enttäuschte)

„Wenn Gott nicht existierte, wäre alles erlaubt“ „und weil er nicht existiert, ist der Mensch zur Verantwortung verdammt.“ Mit diesen bedeutungsschweren Sätzen bimmeln wir das neue Jahr ein und beschäftigen uns frischerweise mit dem verantwortungsvollen Thema Hackfleischverordnung. Die „Verordnung über Hackfleisch, Schabefleisch und anderes zerkleinertes rohes Fleisch“ ist bereits 2007 abgelaufen und der „Tierische(n)-Lebensmittel-Hygieneverordnung“ untergemengt worden und daraufhin darin aufgegangen. Sie strahlt jedoch weiterhin glorreich wie der erste Mai und regelt den Umgang mit zerkleinertem Fleisch aller Art im Großen wie im kleinen. Um in Deutschland selbstständig (jetzt mit Doppel-ST) im Gastronomiegewerbe tätig zu sein, ist eine mehrstündige Schulung u.a. zum Thema Hack verpflichtend. Dass das auch für vegane Imbissbuden gilt, macht mir ein warmes Gefühl der Gleichberechtigung im Oberbauch. Hack mit einer Nagelschere selber herzustellen ist eine der meditativsten Übungen im Küchenbereich neben dem Versuch, Butter aus fettarmer Milch zu erschütteln. Möglich ist es auch, das tiefgefrorene Tier mit einer Küchenreibe in die gewünschte Form zu bringen. Wer gar nichts zu tun, aber eine Friteuse hat, kann große Scheiben Tier mehrfach falten und kleine Männchen ausschneiden, die dann beim Auseinanderfalten eine Kette ergeben. Ein tolle Partydekoration und mal was ganz anderes als dieser überfahrene Käse-Igel oder die Wurstkette aus Ket-Wurst. Aus dem Nicht-Männchen-Rest der Tierscheibe kann man noch kleine Blümchen oder Schneeflocken schneiden. Der Rest wird dann wie oben beschrieben geraspelt (kälteempfindliche Gemüter nehmen einen Locher) und als Tierkonfetti in die Luft geworfen. Hier gilt dann wieder: „Don’t try this at home – do it at your neighbour’s…“
Frohes Neues und viel Spaß beim Nachspielen!

Selbstverteidigung

Kommt mir irgendwie bekannt vor…