Archiv für August 2010

30.08.2010

Sehnsüchtig schmachtend sitzen sämtliche Süchtigen screenwärts, sinnlos sinnsuchend.“ (Zur Lage des Newsletters Ende August 2010)

Im derzeitigen System herrsche angeblich kein Mangel, heißt es. Das widerspricht meiner Meinung nach komplett dem ebenso zitierten Prinzip „Angebot und Nachfrage“, denn wenn es mir an nichts mangelt*, taucht auch keine Nachfrage auf. Aber solche Gedanken gehören nicht hierher, denn wirtschaftliche Problemstellungen treten beim Newslettern nur in Form von Hausverboten auf. Ein solches kann zum Bespiel in Form einer Feuerwand oder einer Sülzenakte aufploppen – einfacher wäre, den Text abzubestellen. Nur, wer schreibt Dir (ja, Du bist gemeint) dann noch? Mutti? Sicherlich nicht. Und die Gründe sind allgemein bekannt…
Back to the Mangelthematik: Die Texte werden einer künstlichen Spaßverknappung unterzogen. Zum einen schnellen dadurch die Leserzahlen nicht so in die Höhe, sondern wachsen buschig wie die Augenbrauen von Waigel selig. Zum anderen lehrt es Demut. Die ersten Leute teilen sich die Texte bereits ein. Falls mal schlechtere Zeiten kommen…

Voerst ist aber alles im Butterberg! Die ganze Woche voller Sachen!!

*vergl. nicht: Psalm 23

Anmerkung: Das mit den Hausverboten scheint hinzuhauen. Ich hab diesen Newsletter nie erhalten….

„Auf das Leben zuhause!“ (Ikea)

Freunde des geschriebenen Wortes – goldfarbene Zeiten brechen an! Ob Urin oder Edelmetall zeigt sich in den nächsten Wochen. Meinem angeblichen Ziel, nicht mit meiner Arbeit, sondern meiner Freizeit Geld zu verdienen bin ich zumindest teilweise näher gekommen… Ab sofort habe ich unglaublich viel Tagesfreizeit – und würde ich Cafés gut finden, könnte ich meine Texte da schreiben und als „digital Böhme“ wirken. Bleibt nur noch die Sache mit der Kohle, aber das hat ja noch nie richtig funktioniert. Weiterer Nebenwiderspruch: Der Blog sollte mir einen Ausgleich zu meinem kotzlangweiligen Job geben. Nun herrscht Disbalance auf der Spaßwaage. Gibt aber Schlimmeres. Zum Beispiel dieses Video

Mit anderen Worten: Er hat gar nicht gebohrt.

Langeweile (1999?)

Menschen kann man in zwei Gruppen einteilen: die einen haben nie Zeit und die anderen tun so, als ob. Rentner und Arbeitslose sind immer auf Trab und ständig unterwegs zu irgendwelchen Ämtern, Ärzten oder sonstwo. Außerdem müssen sie wichtige Fernsehsendungen verfolgen und die Binnennachfrage durch massive Ankäufe von Alkohol (eher bei Arbeitslosen) bzw. Rheumadecken (eher bei Rentnern) stärken.
Im Vergleich zum Ladenschlußgesetz ist der Zeitplan bei Rentnern etwas verschobenen. Wenn sie um 5.30 aufstehen, hat noch kein Laden offen und ab 11.00 Uhr laufen Talkshows und „Soaps“ à la „Verbotene Liebe“. Verbunden mit Arztterminen, Nachmittagsratz und einer durch das altersbedingte Schritttempo legereren Zeitplanung bleibt für Langeweile kaum Platz. Außerdem muß man ja noch die vom Kind aufgedrückten Enkel versorgen. Und um 21.00 geht´s dann in´s Bett.
Bei Arbeitslosen ist es im Grunde ähnlich: 13 Uhr aufstehen, fernsehen, die Blagen zu Oma schicken (bei Euch vielleicht noch optional – kommt aber früh genug), Bier holen/trinken, essen. Dann haben die Geschäfte schon wieder zu und zum Amt kommt man auch nie, denn immer wenn man gerade will, haben die Pause oder es ist Wochenende. So kann die Zeit recht schnell vergehen.
Rentner und Arbeitslose stellen demnach die Personengruppe, die wirklich nie genügend Zeit für ihr Tagwerk hat. Deshalb langweilen sie sich auch nie und können aufhören, den Text zu lesen.

So bleibt als Gruppe der (sich) langweilenden Menschen nur die sogenannte arbeitende Bevölkerung. Innerhalb der Leserschaft gibt es bestimmt auch Leute, die einen Job haben. Der findet entweder drinnen statt, oder eben nicht. Hier geht es um die Leute, die einen dieser Bürojobs haben und sich dort langweilen. Früher war alles besser. Da waren Lösungsmittel noch erlaubt und man hat auch viel mehr Papiere geklebt, gemarkert und was weiß ich sonst so. Heute wird alles am Computer gemacht und wenn man nicht auf Ozondämpfe steht, ist es Asche mit dem diskreten Rausch am Arbeitsplatz. (Das ist nebenbei der wahre Grund, warum alle in Werbeagenturen und Grafikfirmen wollen – da gibt’s noch ordentlichen Sprühkleber!)
Wenn es den Löse-Rausch aber nicht mehr gibt, muß der Arbeiter der Stirn sich anders zu helfen wissen. Und weil er das nicht tut, springe ich mal wieder rettend zur Hilfe: das Lösungsmittel (he,he) heißt
Live-Rollenspiele im Büro!
Natürlich nicht, was ihr sexistischen kleinen Schweinchen wieder denkt- obwohl meinetwegen auch das; ich meine aber was anderes.
Entgegen aller Annahmen steckt nämlich in den Bürostuten und –Hengsten jeweils ein kleiner Abenteurer, den es zu wecken gilt. Falls die Mittagspause einfach nicht näher kommen will, solltet ihr ein solches Spiel organisieren.
Zuerst wird ein packendes „Script“ entwickelt und die Belegschaft in Gruppen eingeteilt. Thema eines Spieles könnte zum Beispiel „Die Errettung des riesigen Goldschatzes aus den Klauen der wilden Wilden“ sein. Ihr könnt aber auch geschichtliche Ereignisse nachstellen: u.U. „Gefangenenbefreiung in Stammheim/Mogadischu“(je nach politischer Gesinnung des Büros); launige Ritterkämpfe oder eine Improvisation des Liedes „Theo, wir fahren nach Lodz“ (und werden an der Grenze nicht durchgelassen..) sind gleichfalls möglich.
Anschließend werden unter großem Hallo die Requisiten gebastelt: Kettenhemden aus Büroklammern, hautenge Rüstungen aus Tesafilm, Schilde aus Keyboards und Laptops. Die Maus dient als Morgenstern, Blutersatz kommt aus dem Farbdrucker. Ebenso entstehen Schwerter und Äxte aus Pappe, mehrfach geklebtem Papier oder Linealen. Hüte und Helme kann man falten oder Kaffefilter nehmen.
Bei Spielen in der Gegenwart sind dann Gummiband/ Pflasterbälle Handgranaten und wer ganz verwegen ist, nimmt den Tacker als automatische Pistole.
Wenn nun noch alle Tische umgeworfen werden und ein Topfpflanzendschungel (5 Vokale bei 21 Buchstaben!) angelegt wird, möchte man doch am liebsten gar nicht mehr nach Hause gehen!

Anmerkung: Die Tips im Text richten sich an Büromenschen.
Schüler und Studenten nölen zwar immer rum, Schule/Uni seien stinkepups-langweilig, jedoch sollte solcher Unsinn stets mit einem Kniestoß zum Unterbauch beantwortet werden. Die sind schließlich ebenfalls praktisch arbeitslos…

23.08.2010

Es saßen einst zwei Hasen
auf künstlichem Rasen und aßen
was sie finden konnten.
also nix.
“ (Chefreimer MC Daktylus)

Das Maß aller Dinge ist das Versmaß. Selten stand ich einer Sache mit so viel Unverstand gegenüber. Es gibt Stabreim und Schüttelreim, mehrfüssigen und klumpfüssigen Jambus, Doppelsteiger und Trochäus – an jegliches Elend wurde gedacht und es anschließend mit griffigen Spitznamen versehen. Leider ist das alles für mich ein mehrfach gesicherter Reiseführer über tschechische Kleinstädte. (Obacht, Hausfrauen! Im dem Satz waren gleich zwei Kalauer untergebracht! Schnell noch mal lesen. Und verstehen.) Themawechsel: Ich freue mich weiterhin über Anspruchsdenken in der Gratisgesellschaft. Da bekommen gewisse Leute mal eine Massenmail, die nicht von Penisverlängerungen handelt und anstelle von Freude kommt Gequengel hoch. „Viel zu kurz.“ Diese beiden Sätze lasse ich mal nebeneinander für Assoziationen sorgen und frage derweil: „besser jetzt?“ Schließlich lesen die meisten von euch den Newsletter wahrscheinlich auf der Arbeit und ich will nicht Schuld sein, wenn der Aufschwung zur Kniewelle wird, weil ihr kostbare Arbeitszeit sinnvoll nutzt. Mit diesem Turnerscherz verabschiede ich mich und bedanke mich herzlich, dass hier immer auf meinen Blog hingewiesen wird.
Den Umständen entsprechend ist die ganze Woche voller Termine mit Flavour, besonders, wenn sich die Landgang am Freitag an die Elbe traut.

Kopfkino

Boah. Zweite Fassung vom Text. Keine Lust, was zu schreiben, aber einfach wieder ausloggen ist Blödsinn. Daher zwei stimmungsvolle Links, die ich schon kenne und ihr vielleicht auch. Spätestens hinterher.


Streiten für Fortgeschrittene


Egal, ob echt oder nicht – ich würd ihn gucken!

So, nach den beiden ist doch gleich viel besser, oder?

Territoriale Ausdehnung in neuen Sphären

Wieder so ein Eye-catcher als Überschrift. Von der Frazyparty schreibe ich, wenn ich den Fusiontext fertig habe, wir wollen ja, dass alles seine Ordnung hat. Nur so viel: Das Schönste war die Flasche Helium. Womit ich beim Thema wäre: Meine Wohnung ist unkonventionell eingerichtet. Meine Besitztümer sind meiner politischen Gesinnung nach erfolgreich nach unten umverteilt und alles ist für alle sichtbar. Kleingeister sprechen wie immer von Chaos, ich spreche von Ordnung ohne Herrschaft. Ausserdem trainiert es Gleichgewichtssinn und Fußmuskeln, über unebenen Boden zu laufen. Jedoch: die oberen Schichten bekamen wie immer nichts von den Dingen mit, die sich am Boden der Gesellschaft abspielen. Sauber, ordentlich und aufgeräumt geht es bei mir an Wand und Decke zu. Diesen Zustand galt es als nicht hinnehmbar zu erkennen und zu dekonstruieren. Hier kommt das Gas ins Spiel. Anders als der Bankräuber neulich habe ich aber nichts in die Luft gesprengt, sondern einfach einen Haufen (20+) Gartenzwerg-Blogsport-Werbeballons (Ja, die gibt´s) mit Helium gefüllt und an die Decke steigen lassen. Wenn man nun nach oben guckt, sieht es auch da hübsch bunt und wirr aus. Ich glaube, ich bin einer der wenigen Menschen, die das begründete Gefühl haben, mal ihre Zimmerdecke aufräumen zu müssen. Zum Glück erledigt sich zumindest dieses Problem von allein. „Runter kommen sie immer.“


Ich habe sie über meinem Bett platziert, damit sie mir – wenn ich eigentlich entspannen will – noch mehr auf den Keks gehen. Wahrscheinlich wird einer nachts runterkommen und ich werde mich im Schlaf auf ihn schmeissen. Ballon platzt, ich auch. Maximaler Hass bei minimalem Einsatz.

Gründe, Misanthrop zu werden: Scherzbolde (1998?)

Ähnlich penetrant wie die affektierten Nörgler sind die Kleingeister, die glauben, Witze und scherzhafte Bemerkungen (noch schlimmer: launige Redensarten) würden durch unreflektiertes Wiederholen lustiger. Ganz grausam war das, was aus Trapatonis unfreiwillig komischem Gepöbel gemacht wurde. Allerortens tönte es „Struunz“, von T-Shirts prallte einem ein „Flasche leer“ entgegen, und jeder Vollidiot, der glaubte, auch mal geistreich sein zu können, rief im Stundentakt „Ich habe fertig!“. (Ich bin mir noch nicht sicher, ob mir Manta- und Blondinenwitze samt des dem gleichen Milieu entsprungenen „… und tschüs“ , oder eben der „ich habe fertig“Komplex mehr auf den Keks ging.)
Das Problem hierbei ist, daß der Witz dieser Bemerkung eher darin lag, wie eine Person in aller Öffentlichkeit nahezu völlig die Kontrolle verlor und sich blamierte. Harald Schmidt, der sich als erster darüber ausließ, war dies bewußt und er ritt so lange auf einzelnen Formulierungen herum, bis sie vollends ins Lächerliche gezogen waren.
Andere Scherzbolde haben das Gefühl, schon der Satz „ich habe fertig“ sei unglaublich witzig (manche Leute besitzen noch den Anspruch zu denken, das sei eine ironische Anspielung). Stimmt leider nicht. Isoliert betrachtet ist der Satz genauso dumm wie das Imitieren jugendlicher Dumpfnasen, deren Wortschatz zu 85% aus Floskeln und Begriffen wie „kraß, korrekt, aller, dicker …“ bzw. „das Schaf ist gezuckert.“ besteht. Natürlich kann man sich über die Begrenztheit der Leute und ihrer Sprache lustig machen, wenn sich die Kritik jedoch stets auf die gleichen Vorkommnissse bezieht und selbst in Floskeln verfällt, ist sie als gleichsam beschränkt abzulegen. Auf die Art paßt man sich nur an – die einen benutzen z.B. das Wort „kraß“, weil sie glauben, es sei cool (um auch ein Jargonwort zu benutzen und die eigene Kritik erfolgreich zu untergraben), die anderen, weil sie glauben, es sei lustig, darüber zu lachen. Beides ist affektierte Scheiße. Außerdem ist zu überlegen, ob das ritualisierte Nachahmen des Klischee-Akzents von ausländischen Prolls ohne eine Reflexion der Tat nicht schnell auf rassistische Abwertung zusammenschrumpft. Denn wenn die einzige Begründung, warum man in dieser Weise spricht, die ist, daß man es witzig findet, wie die nicht richtig sprechen können, dann wird doch stark verkürzt und der Schritt zur Verallgemeinerung ist nicht mehr weit. Aber das klingt jetzt sehr moralisierend und stimmt ja gar nicht und wird euch nicht gerecht, denn ihr seid ja alle links oder zumindest unpolitisch und habt nichts gegen Ausländer, ihr eßt schließlich gerne Döner und unterhaltet euch mit eurem Gemüsehändler. Außerdem rege ich mich auch immer auf und überhaupt bin ich jetzt mal lieber ruhig und so weiter und tralala

Es hat nicht, sondern ist fertig: WALDEMAR SCHMITT

Anmerkung 2010: Teile dieses Textes können sich auch auf den Umgang mit Musik beziehen. „Kultig“ und „Hymne“ seien nur als Assoziationen eingestreut.

16.8.2010

i said a hip hop the hippie the hippie to the hip hip hop“ (Teufel Helium)

Man soll viel Trinken. Hat man früher nicht gemacht und trotzdem überlebt. Da gabs mittags auch schon Schnaps. Und nun gibts mehr Rentner als je zuvor. Was auch zugenommen hat, ist die Anzahl Leute, die glauben, sich in der Sahelzone zu befinden und den ganzen Tag mit kleinen Flaschen rumrennen, aus denen sie nuckeln. Überall kommen einem Schlürf- und Schmatzgeräusche entgegen, als ob man in der Aufpäppelstation für kleine Elefanten gelandet ist. Leute, das wirkt nicht sportlich. Hat schon mit den Jogginghosen nicht geklappt… Ausserdem: Was soll ich mit diesen 0,2 Liter Flaschen? Entweder ich habe Durst, dann ist sie sofort leer – oder ich habe keinen. Dann brauch ich auch nicht so ein Ding mit mir rumschleppen. Wer über 1,3 m Körperhöhe kommt ernsthaft mit so einem lütten Pissding aus? Eben.
Als nächste Stufe prognostiziere ich einen Leckstein am Handgelenk oder Fingerring. Wegen Elektrolyte und so.

1312

Na, das ist doch mal ein weiterer Grund zum Feiern! Ich war schon die ganze Zeit etwas unruhig wegen der Klickzahlen und als ich just mal gucke, habe ich das magische Zahlenchiffre als Besucherzahl stehen.
In diesem Sinne einen Gruß an Jan Vedder und alle Leute, die sich nicht vor den ganzen Buchstaben auf dieser Seite fürchten!

Viel Lärz um Nichts

Nun isses bald soweit. Keine 48 Stunden mehr und ich steh wieder rum und mach „mein Ding“ vor Zeugen. Etwas gespannt bin ich ja doch, wer da so alles kommt. Andererseits ist das auch egal, wahrscheinlich kenn ich die meisten sowieso nicht und die Zeit für Small Talk ist wohl an einem anderen Tag eher vorhanden. Rumpumpum… Ich hab sogar Devotionalien besorgt! Mal gucken, wer die gut findet – ich jedenfalls könnt mich reinsetzen und das sollte reichen. Ich freu mich schon, wenn Leute hinterher feststellen, dass das beim ersten Mal irgendwie geiler war und man das nicht überstrapazieren sollte. Hab ich aber auch schon mehrfach erwähnt. Nun gut, zu etwas anderem: Mein Aufruf, die Top 10 zu knacken trug bereits erste Früchte. Platz 76 wurde erklickt! Ich freu mich (schon wieder). Wenn die Sonne tief steht, werfen auch Zwerge lange Schatten…


Da isser wieder. Immer wieder gern gesehen.